Zurück zur Startseite
 Startseite   Kontakt   Impressum   English  Zitat von Friedrich Jürgenson

Das Abhören von Tonbandeinspielungen

Erkennen und Beachten von Fehlerquellen
Vortrag von Theo Bleitgen
gehalten auf der Jahrestagung 1998 des VTF in Fulda

Bei der computergestützten Stimmenanalyse zeigt sich immer wieder mit großer Deutlichkeit, welche Fehler bei der Interpretation von Stimmenbeispielen entstehen können. Daß gewisse Vorstellungen des Experimentators in das Ergebnis einer Abhörsitzung mit einfließen können, ist leider nicht vermeidbar, und wer könnte von sich behaupten, fehlerfrei hören zu können? Fehlinterpretationen, beim Abhören von Stimmenbeispielen sind deshalb nahezu unvermeidbar und man kann sie, wie in anderen Situationen auch, als ganz natürlichen Bestandteil eines Entscheidungsprozesses ansehen. Die Ursachen dazu sind allerdings sehr unterschiedlich und vielfältig, und so darf bei der Beurteilung, ob eine Stimme richtig oder falsch gehört wurde, nicht pauschal verfahren werden. Hier muß der Mensch mit seinem Gehör, die Abhörapparatur als technische Größe und sogar der Abhörraum mit seinen akustischen Besonderheiten mit einbezogen werden. Denn alle genannten Größen sind mit mehr oder weniger großen Fehlern behaftet, die es zu beachten gilt. Die Abhörproblematik bei krankheitsbedingtem Leistungsabfall des Gehörs, soll in diesem Zusammenhang nicht behandelt werden.

Was allerdings weniger bekannt ist und Anlaß zu vielen Fehlinterpretationen gibt, ist der sogenannte hörpsyschologische Verdeckungseffekt. Dieses Phänomen bringt uns nämlich oft in die unangenehme Lage, Toninformationen mit geringer Lautstärke einfach zu überhören, wenn unmittelbar davor oder danach ein lauteres Tonereignis zu hören war. Sei es nun eine laute Durchsage, ein Pfeifton oder sogar des Geräusch des zurückfahrenden Bandes beim Repetieren auf dem Recorder, auf jeden Fall verschiebt sich dadurch unsere Hörschwelle auf ein höheres Niveau. Dieser Vorgang wird in der Akustik als Vor- oder Nachverdeckung bezeichnet und bestimmte Teile einer vorher zusammenhängenden Information können dadurch gekürzt werden und verlieren ihren eigentlichen Sinn.

Da unsere Hörschwelle sowohl lautstärkeabhängig wie auch frequenzabhängig ist, bewirken auch länger andauernde statische Geräusche eine Verdeckung von Teilinformationen.

Ein starkes Rauschen, zum Beispiel, kann mit seinen vielen hohen Frequenzen die in einer Information enthaltenen tieferen Frequenzanteile so stark verdecken, daß ein sicheres Erkennen der Stimme teilweise nicht mehr möglich ist. Ebenso verhält es sich bei einer Aufnahme, bei der die tieferen Frequenzanteile stark dominierend sind. Und so ist man nach dem Filtern von Stimmenbeispielen oft verwundert, welche Tonfülle, bzw. welche Informationen plötzlich zu Tage treten können, nachdem ein Teil dieser Störung entfernt wurde. Hat ein Experimentator keine Möglichkeit, seine Einspielung von Störungen zu befreien, so wird er solange immer wieder abhören, bis er etwas Passendes in die Stimme hineininterpretiert hat. Denn ob er will oder nicht, sein Gehirn wird ihm so lange immer wieder Erkennungsmuster zur Entscheidung vorlegen, bis es zu einem Ergebnis gelangt ist. Ob nun das Ergebnis in diesem Falle richtig oder falsch ist, kann nur mit einer weiteren Überprüfung beantwortet werden. Auf jeden Fall wird sich so das letzte und beste Erkennungsmuster in seinem Gedächtnis fest verankern, und auch nach Jahren wird er es immer wieder gleich interpretieren.

Für äußerst bedenklich halte ich persönlich auch so manches als paranormal deklarierte Stimmenbeispiel, das sich zum Beispiel aus den Informationen zweier unterschiedlicher Sprecher zusammensetzt, und das zufällig einen verwertbaren Sinn ergibt. Beim Abhören von Einspielungen - aufgenommen auf Kurzwelle oder Mittelwelle -, dort, wo Tonereignisse unterschiedlicher Lautstärke, Tonhöhe und Informationsgehalt unser Ohr gleichzeitig treffen, kann sich die Vor- und Nachverdeckung, sowie die Überlagerung mit starken Breitbandgeräuschen bei der Beurteilung von Stimmen unter Umständen katastrophal auswirken. Aber auch bei ganz klar verständlichen normalen Rundfunksendungen, z.B. auf UKW, sowie auch im direkten akustischen Dialog mit einem anderen Gesprächspartner, ist dieser Effekt zu beobachten. Und wem ist es nicht schon einmal passiert, daß er bei seinem Gesprächspartner, ein- oder mehrmals um Wiederholung eines bestimmten Wortes gebeten hätte? Unachtsamkeit, verminderte Hörfähigkeit oder eine verzögerte Prüfung des Gehirns mittels seiner Gedächtnisspeicher können hierbei die Ursache sein. Ein auf das Gehör einwirkender Reiz bestimmter Priorität, setzt nämlich gleichzeitig die Empfindlichkeit für andere Reize herab.

Eine wichtige Eigenschaft des menschlichen Gehörs ist auch die Fähigkeit, seine Empfindlichkeit einer bestimmten, gerade herrschenden mittleren Schall-Lautstärke anzupassen. Ähnlich wie sich das Auge an verschiedene Helligkeitswerte anpassen kann. Dadurch wird z.B. ein gleichmäßiges Hintergrundgeräusch im Höreindruck stark zurückgedrängt, wenn es länger auf das Gehör einwirkt. Dies kann auch schon der Fall sein, wenn eine bestimmte Bandstelle zum Abhören immer wieder repetiert wird, und das Ohr dabei für ein bestimmtes Wort oder einen Satz adaptiert ist. Auch das Rauschen in einer Aufnahme wird somit einfach weggehört. Menschen, die sich ständig in einer lärmerfüllten Umgebung aufhalten, werden mit der Zeit gegen diesen Lärm unempfindlich. Und oft hört man auf die Frage "Wie kannst du das in diesem Lärm nur aushalten?" die Antwort: "Das hör‘ ich doch schon gar nicht mehr!"

Um zu einer Bewertung über das akustische Hörereignis zu kommen, muß sich das Gehör aus den vielfältigen Reizwirkungen ein Bezugssystem, auch Anpassungsniveau genannt, bilden, an dem es sich orientieren kann. In einer Einspielung, z.B. auf der Jürgensonwelle, soll es alles, was es dort in einem fürchterlichen Wirrwarr von unterschiedlichen Stimmen, Tönen, Rauschen, Krachen und Zischen antrifft, sortieren, erkennen und bewerten. Es muß zudem sein Urteil abgeben, ob das Hörereignis hoch, tief, hell, dunkel, laut, leise, schnell oder langsam, oder sogar auf- und abschwellend ist. Das Gehör hat dabei kaum Zeit sich auf etwas Bestimmtes zu konzentrieren, und so kommt es, daß die Einspielung mehrfach gehört werden muß, um sich zunächst einmal einen groben Überblick zu verschaffen.

Dies ist nur ein kleiner Teil einer Wahnsinnsleistung, die unser Gehör in jeder Millisekunde des Abhörens vollbringt. Dazu steht es noch in ständiger Verbindung mit dem Gehirn und seinen Gedächtnisspeichern, um zu entscheiden, was nun paranormal sein könnte oder nicht. Wer hat es nicht schon einmal erlebt, daß er nach einer abendlichen Abhörsitzung müde und abgespannt den Recorder ausgeschaltet hat, um dann am nächsten Tag das Abhören frisch und erholt fortzusetzen? Dies allerdings mit einer erstaunlichen Feststellung: Dort, wo am Vorabend Stellen ohne erkennbare Informationen auf dem Band festgestellt wurden, konnte man plötzlich verstehbare und intelligente Äußerungen hören. Und auch dort, wo man um das Verstehen einer Äußerung gekämpft und gerungen hatte, war der Text plötzlich ohne Anstrengung klar zu verstehen. Ebenso konnte es aber auch passieren, daß eine Stimme, von der man glaubte, sie zu 100% verstanden zu haben, plötzlich etwas ganz anderes aussagte. Dies gilt übrigens auch für das Abhören von Bändern nach Tagen, Wochen oder sogar Monaten. Vielfach wird nun dabei angenommen, daß es sich um Informationen handelt, die von den jenseitigen Gesprächspartnern nachträglich auf Band gebracht, oder vorhandene Teile verändert wurden und die, logischerweise, dann als paranormal eingestuft werden. Technisch nüchtern betrachtet wäre es jedoch unlogisch, warum die Jenseitigen sich bemühen sollten, unter den Hunderten von eng aufeinander liegenden Bandwickeln der Tonbandspule, gerade ein Wort oder einen Satz herauszusuchen, um nur daran eine Veränderung vorzunehmen. Und das alles bei ausgeschaltetem Recorder. Außer mit dem bekannten Band-Kopiereffekt wäre eine andere Erklärung keinem Tontechniker, Akustikfachmann oder Wissenschaftler plausibel zu machen. Denn infolge der Kopierdämpfung des Bandes, die etwa bei -40 bis -50 dB liegt, sind nämlich nur die bekannten Vor- und Nachechos in den Pausen leise hörbar. Auf keinen Fall kopiert sich also das Echo einer Stimme, in der gleichen Lautstärke wie das Original von einer Spur auf die andere. Wird also in den Sprechpausen eine leise Stimme erkannt und soll sie gedeutet werden, dann muß auch der entsprechende Bandabschnitt unbedingt auf ein mögliches Echo vom benachbarten Bandwickel aus, untersucht werden. Diese speziellen Untersuchungen sind auf einem entsprechend ausgerüstetem Computer durch Sichtbarmachen auf dem Bildschirm, in hervorragender Weise zu machen.

Die vorausgegangenen Ausführungen befaßten sich nur mit einem geringen Teil dessen, was die gesamte Abhörproblematik darstellt, und es würde den Rahmen dieses Vortrages sprengen, wollte man auf alle Probleme eingehen, die damit verbunden sind. Eines ist jedoch sicher:

Da es sich bei den paranormalen Stimmen um ein wie immer geartetes Phänomen handelt, welches sich u.a. auch auf unseren magnetischen Tonträgern hörbar und reproduzierbar manifestiert, so ist es doch auch ein technisches Problem, was es zu lösen gilt. Meiner Ansicht nach ist es deshalb unverzichtbar, daß wir nach mehr als 20 Jahren Tonbandstimmenforschung alles, was uns derzeit an moderner Technik zugänglich ist, zur Verbesserung in die Waagschale werfen sollten. Unerheblich ist dabei, die Entstehung des Stimmenphänomens begreifen zu wollen.

Wenngleich ich auch davon überzeugt bin, daß wir unsere Probleme mit der Technik alleine nicht lösen können, so kann sie uns zumindest einen hörbaren Vorteil verschaffen und uns u.U. davor bewahren, immer wieder in eine falsche Richtung gehen zu müssen. Und selbst wenn wir durch den massiven Einsatz von Technik nur einen Teil der Erkenntnis erlangen könnten, daß es mit ihr alleine nicht weitergeht, und wir unsere Forschung nur auf rein geistiger Ebene fortsetzen müßten, dann hätte sich der Einsatz damit schon mehr als gelohnt. Denn bisher können wir nicht einmal entscheiden, ob es alleine mit dem Einen oder dem Anderen - oder mit beiden Möglichkeiten zugleich funktioniert.

Wenngleich wir uns bei unserer Forschung vermutlich auch noch lange Zeit zwischen Erfolg und Nichterfolg bewegen werden, so bleibt uns doch die Hoffnung auf das, was uns die Stimmen aus dem Jenseits vermitteln wollen, nämlich: "Es gibt ein Leben nach dem Tod!"