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Die erste Stimme

von Horst Blaschewski

(Anmerkung des Herausgebers: Es handelt sich hier um den Abdruck, eines Kapitels aus einem Buchmanuskript »Stimmen aus einer unbekannten Welt«, das wir mit Genehmigung des Autors veröffentlichen. Es gibt treffend wieder das »Aha-Erlebnis«, das viele Kollegen beim Hören ihrer ersten Stimmen hatten.)

Im März 1971 lud mich ein Jugendfreund zu einem Kurzurlaub zu sich nach Breyell, dem heutigen Nettetal, ein. Das sah ich als eine hervorragende Gelegenheit an, mit ihm gemeinsam das Jürgenson-Experiment zu machen. In Nettetal war sicher Zeit und Gelegenheit dazu vorhanden, und mein Freund Karlheinz und auch seine Frau waren nicht uninteressiert. Bald ergab sich dort eine sehr gute Gelegenheit. Die Mutter meines Freundes wohnte in Recklinghausen und es stand ein Besuch bei ihr an. Karlheinz meinte, daß dieser Besuch unserem Vorhaben entgegenkommen würde, denn wir könnten den Versuch unternehmen, Verbindung mit einer Tante namens Herta auf zunehmen, die vor fünf Jahren verstarb, und die mit der Mutter von Karlheinz dort viele Jahre gelebt hatte. Auch ihr Grab war dort auf einem Friedhof nur wenige hundert Meter von der Wohnung entfernt.

Wie geplant, so geschah es. Wir hatten bei der Mutter meines Freundes einen unterhaltsamen Abend und es war schon nach Mitternacht, als wir unser Experiment begannen. Es waren anwesend mein Freund Karlheinz, seine Frau, seine Mutter und ich. Die Wohnung der Mutter war am Stadtrand, es war also zu dieser Zeit nach Mitternacht absolut ruhig. Kein auch noch so geringes Geräusch war von draußen zu hören, und auch im Hause selbst schliefen die Bewohner.

Wir stellten ein Tonbandgerät auf, schlossen ein Mikrofon an und stellten das Gerät auf "Aufnahme". Dann begannen wir uns zu unterhalten, wobei bald das Gespräch auf die verstorbene Tante kam. Die Mutter von Karlheinz erzählte viele Geschichten über sie. Unser Gespräch dauerte etwa eine knappe Stunde. Danach schalteten wir die Aufnahme ab und spielten das Band zurück. Anschließend hörten wir das Band mit unserer Unterhaltung ab. Sehr gut konnten wir unsere vier Stimmen erkennen und unterscheiden. Zunächst gab es keine Geräusche neben unseren Stimmen auf dem Band. Es war inzwischen etwa zwei Uhr morgens. Die Stimme der Mutter war jetzt zu hören. Sie berichtete, daß die Tante Herta ihr einmal von einem Traum erzählt hätte, in welchem sie einen Mann vor ihrem Bett stehen sah, und plötzlich war auf dem Tonband zu hören, wie die Verstorbene in die Erzählung der Mutter sagte: "Da war ich erschrocke". Es war ein Schock, der uns alle traf. "Halt", rief ich, "habt ihr das gehört?". Wir alle vier hatten diese Stimme, die die Mutter sofort als die Stimme von Tante Herta identifizierte, gehört. Aber wir spielten das Band an dieser Stelle immer wieder zurück und hörten immer wieder erneut darauf. Es gab keinen Zweifel, jeder Irrtum war ausgeschlossen. Diese Stimme kam aus keiner Radiosendung, kein Geräusch von außen konnte sie produziert haben, sie kommentierte unser Gespräch und konnte nur aus einer anderen Welt kommen, wenn man die Theorie ausnimmt, die Stimme wäre in unseren Köpfen entstanden und auf zumindest gleich geheimnisvolle Weise auf das Tonband gekommen. Diese überwältigende Demonstration der Jürgenson-Phänomene verschlug uns die Sprache. An Schlaf war jetzt nicht zu denken, wir waren alle hellwach. Nachdem wir uns gefaßt hatten, beschlossen wir, das Band weiter abzuhören. Nach einiger Zeit meldete sich die Tante Herta wieder.

In eine Gesprächspause ruft sie mit einer Stimme, die an Lautstärke unsere eigenen Stimmen erheblich übertrifft: "Lieber Onkel gib Küßchen". Ein Wort, das ein starkes Zuneiungs- und Liebesbedürftiis ausdrückt. Ich weiß nicht, ob ich Ihnen die Atmosphäre dieser Nacht vermitteln kann. Wir, die wir alle voller Skepsis und ohne besondere Erwartung an dieses Experiment gegangen waren, wurden in dieser Nacht davon überzeugt: Es gibt eine "Andere Welt". Es war im Grunde genommen völlig unwichtig, was uns auf dem Tonband gesagt wurde. Vielleicht oder sogar bestimmt erwartet ein Unbeteiligter aus dem Jenseits weise Worte, vielleicht sogar Offenbarungen, und nun hier ein einfacher Kommentar zu unserer Unterhaltung. Aber für uns Anwesende war die Stimme der Verstorbenen ein Wunder. Der Mutter bemächtigte sich eine gewisse Scheu, vielleicht sogar Ängstlichkeit, hatte sie doch jahrelang mit der Tante gelebt. Uns andere befiel eine große Erfurcht vor dieser Möglichkeit einer Kommunikation mit Verstorbenen. Dieses unmittelbare Erleben, diese Überzeugung daß jede Manipulation undenkbar war, hat in uns allen weltanschauliche Weichen gestellt. Wir fuhren am frühen Morgen nach Nettetal zurück. Der heißen Diskussion folgte eine Zeit der inneren Einkehr und Besinnung. Wir konnten nur schwer einschlafen. War das nun der Beweis für die Existenz einer "Anderen Welt"? Nein, sicher nicht. Ich glaube, daß man auf keinen Fall die Existenz einer Welt, in der nichts so ist, wie in der Welt, in der wir leben, mit den Mitteln unserer Welt beweisen kann. Das wäre, als wollte man einen Traum fotografieren. Wenn aber eine sinnvolle Kommunikation mit den Stimmen Verstorbener möglich ist, so müßte dies als Beweis gelten, daß Verstorbene eine geistige Existenz haben, die den körperlichen Tod übersteht.


(Quelle: VTF-Post P 94, Heft 1/99)