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Tonbandstimmen: Technik oder Spiritualität?

von Fidelio Köberle

Von mir konnte man immer wieder hören: "Tonbandstimmen sind ein technisches Phänomen. Erst mußte das Tonband erfunden werden, dann kamen die Stimmen. Wenn wir Verbesserungen erwarten, dann nur von der Technik." Neuerdings kommt aus der Techniker-Ecke leiser Widerspruch. Etwa in der Form: "Technik ist nicht alles, der Mensch spielt doch auch eine Rolle". Das hört sich beinahe so an, als ob wir unsere Techniker überfordert hätten mit unseren Erwartungen und Hoffnungen, und als ob sie den schwarzen Peter nun wo anders abladen möchten. Möglicherweise haben wir unsere Zuversicht zu ungenau definiert. Wenn sie z.B. darin bestanden haben sollte, daß wir von den Technikern "endlich den Apparat und die Methode serviert bekommen, mit dem der Durchbruch erreicht ist, immer und überall zuverlässig paranormale Stimmen zu erhalten", dann war das bestimmt der falsche Ansatz, und unsere Techniker fühlen sich unter Erfolgszwang gesetzt. Natürlich würden wir uns über diesen »Durchbruch« freuen, wenn er denn käme, aber was wir alle ersehnen, sind schrittweise Verbesserungen und Erleichterungen in puncto Häufigkeit und Deutlichkeit der Stimmen.

Das hier des öfteren angesprochene Filtern ist z.B. eine der gemeinten Verbesserungen, die durch neue Entwicklungen beim Computer möglich geworden sind. Leider wird von dieser Möglichkeit viel zu wenig Gebrauch gemacht. Ein weiterer wesentlicher Schritt (auch nur mit Computer-Hilfe möglich) wäre die Übersetzung gesprochenen Textes in Schrift, um uns von dem Verdacht zu befreien, wir würden nur das hören, was wir hören wollen. Dann hätten wir einen unbestechlichen Zeugen für die Richtigkeit unserer Behauptung, die Stimmen seien keine belanglosen Geräusche, sondern echte, sinnvolle Sprache. Aber auch bei den Einspielmethoden sind Modifikationen und eine Vertiefung denkbar.

Aber auch, wenn wir keinen winzigen Schritt weiterkämen gegenüber dem bis heute Erreichten, gibt es keinen Grund zur Resignation. Wir können jeden Tag neue Stimmen gewinnen in einer Qualität, die allen sinnvollen Ansprüchen genügt. Außer der Verstehbarkeit ist doch auch - und zwar wesentlicher noch - der Inhalt der Aussage wichtig. Und da haben wir tausend unbeantwortete Fragen!

Aber was ist nun mit dem von den Technikern eingeforderten »Faktor Mensch«? Zum einen könnte man meinen: "Lasst doch den ganzen technischen Kram und geht wieder auf die Ursprünge zurück, nämlich zu den Medien. Deren Aussagen waren ohnehin immer schon viel ausführlicher und persönlicher!" Da hätten wir den Faktor Mensch in reinster Form. Oder eine Mischform: Apparate plus Medium. Diese letztere ist mehrfach versucht worden und hat m.E. außer Enttäuschungen nichts gebracht (siehe George W. Meek). Aber auch die Inanspruchnahme von Medien hat ihre Tücken. Immer wieder muß man sich fragen: Was hat das Medium von »drüben« bekommen, und was stammt aus ihm selbst? Eine befriedigende Situation ist das nicht.

Wenn nun diese Art von Einbindung des Faktors Mensch nicht gemeint ist, könnte schließlich nur noch gedacht sein an die seelische oder gedankliche »Einstellung« des Experimentators oder des Einspielkreises. Und daran könnte es eigentlich nie gefehlt haben. Alle Welt weiß jetzt, daß man nur mit Ernst und Vertiefung an diese Arbeit gehen kann, und daß jede Leichtfertigkeit Fehl am Platze ist. Wer es gern zeremoniell mag, kann nach Spiritistenart Kerzen anzünden, einen Choral abspielen oder eine »Kette« bilden. Wem das bei der Einstimmung hilft, dem kann das alles nützlich sein. Unbedingt notwenig für den Erfolg ist es nicht. Man kommt auch so klar.

Aber es gibt noch einen anderen Aspekt, den wir in unseren Überlegungen vernachlässigt haben, und das ist die »Spiritualität«. Immer wieder kann man von Einspielem hören: "Seit ich Tonbandstimmenforschung betreibe, bin ich viel spiritueller geworden." Spiritualität (nicht gleich Spiritismus) ist eine Lebenseinstellung, die besagt, daß der Geist (die Seele) die Materie beherrscht. Der Spiritualist sagt: "Die Seele hat einen Körper" und nicht wie der Materialist: "Der Körper hat eine Seele". Wir nehmen ja an, daß der (unkörperliche) Tote, also sein Geist, auf unser Tonband (Materie) einwirken kann, und das verträgt sich sowieso nicht mit materialistischem Denken. Geistheilung ist ein analoger Vorgang. Auch hier wird von der Seele her auf ein materielles System eingewirkt. Auch Telepathie (Gedankenübertragung) gehört hierher. Mit anderen Worten: Durch die Beschäftigung mit den Tonbandstimmen werden wir automatisch durchlässig für eine neue Sicht der Dinge. Wir begreifen den Menschen als ein Geistwesen, das sich materieller Mittel (Technik) bedient, um spirituelle Wirkungen (Stimmen) erfahrbar zu machen.

In diesem Zusammenhang sei auch an die allenthalben kontrovers diskutierte Reinkarnationslehre erinnert. Es ist keinesfalls selbstverständlich, daß jeder Tonbandstimmenforscher sie akzeptiert. Aber immerhin ist ihm der Gedanke nicht so absurd wie dem typischen Materialisten, der es sich überhaupt nicht vorstellen kann, wie eine Seele in verschiedenen Leben verschiedene Körper beleben könnte. Klarheit kann hier nur intensive Forschung liefern, und die betreiben wir ja.

Ich bin der Meinung, daß wir auf diese und ähnliche Weise den Faktor Mensch in gebührender Weise berücksichtigen. Das heißt, einerseits Anwendung der Technik, um Kontakte mit der geistigen Welt aufzubauen, andererseits Vertiefung unserer spirituellen Einsichten, um uns weiterzuentwickeln. Beides ist gleich wichtig!


(Quelle: VTF-Post P 94, Heft 1/99)