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Einige Fragen und Antworten zum Einspielen mit MiniDisc-Recorder

von Johanna Wagner

Es sind nun fast zwei Jahre vergangen, seit ich mit MiniDisc-Recordern einspiele. Im Folgenden möchte ich einige Fragen beantworten, die man mir im Laufe der Zeit gestellt hat, oder die man mir gestellt haben könnte. Ich möchte mich dabei nicht so sehr auf die Technik konzentrieren, sondern will vielmehr versuchen, den praktischen Wert dieser Technik für die tägliche Arbeit mit den Tonbandstimmen herauszustellen.

Vorab möchte ich aber noch folgendes sagen: Meine Beurteilung dieser neuen Technik kann naturgemäß nur eine sehr subjektive sein, da ich aufgrund meiner Blindheit keine einzige Anzeige im Display des Gerätes sehen kann. Ich muß mich daher ausschließlich auf die wenigen akustischen Signale, die das Gerät von sich gibt, verlassen. Ich habe daher vieles selbst herausfinden müssen und manche Stunde damit verbracht, die so ganz andere Art der Technik kennenzulernen. Trotzdem möchte ich diese Technik nicht mehr missen, da sie mir erstmals seit fast 25 Jahren die Möglichkeit bietet, meine benötigten Geräte verschleißfrei zu benutzen.

Nun aber zu den Fragen:

"Warum gerade MiniDisc und nicht Computer oder DAT?"

"Nun, um mit Computern zu arbeiten, hätte ich einen noch weitaus größeren technischen Aufwand treiben müssen, da ich ja zusätzliche Blindenhilfsmittel wie Braillezeile oder Sprachausgabe benutzen müßte, um überhaupt ein Computerprogramm bedienen zu können. Und DAT-Recorder bieten für mich nicht dieselben Möglichkeiten wie die MinDisk."

"Welche Vorzüge gegenüber der Cassettentechnik hat die MiniDisc?"

"Da ist einmal der Vorteil, daß ich beliebig oft repetieren kann, ohne daß die Mechanik des Gerätes in die Binsen geht - übrigens ein unschätzbarer Vorteil, wenn man beim Abhören der Stimmen absolut exakt und phonetisch einwandfrei abhören will. Aber auch die Möglichkeit, Stimmen auf Abruf zu speichern, ist sehr hilfreich."

"Das müßte bitte etwas erklärt werden. Was ist damit gemeint?"

"Man muß es sich wie eine CD vorstellen. Da ist eine bestimmte Anzahl von Stücken drauf, die alle numeriert sind. Nun kann man mit Hilfe einer Tastatur oder auch irgendeiner anderen Mechanik ein beliebiges Stück auswählen, Nummer 2, 3 oder auch 12, ganz wie man möchte. Ähnlich verhält es sich bei der MiniDisc. Man kann ein beliebiges Stück einer Aufnahme als Titel kennzeichnen, der dann vom Gerät automatisch mit einer laufenden Nummer versehen wird. Möchte ich beispielsweise eine Stimme vorführen, die auf Nummer 3 liegt, so kann ich wie bei der CD diese Stelle auf der MiniDisc anwählen.

Nun kann ich aber noch etwas anderes tun: Ich kann meine Stimmen nach gut hörbar und schwer hörbar sortieren. Habe ich beispielsweise eine laute und aussagestarke Stimme auf Titel 15 und möchte sie gleich zu Anfang meiner Vorführung abspielen, so kann ich die Nummer 15 an den Anfang setzen und sie bekommt dann die Nummer 1. Alle anderen Titel verschieben sich dann automatisch."

"Welche Vorteile für das Einspielen hat die MiniDisc noch?"

"Ein wichtiger Vorteil ist das absolut exakte Schneiden. Man kann ganz kleine Bruchstücke aus einer Einspielung herausschneiden und sie abhören. Das ist dann von Vorteil, wenn man mehrere Stimmen übereinander zu liegen hat, was besonders bei Radioeinspielungen sehr oft vorkommt."

"Kann man Stimmen von MiniDisc beliebig verlustfrei kopieren?"

"Beliebig ja, aber hundertprozent verlustfrei mit analoger Technik nicht. Dies ist nur möglich, wenn man zwei Geräte mit digitalem Ein- und Ausgang hat. Über ein Optikkabel wird eine Aufnahme völlig identisch mit dem Original kopiert, und zwar beliebig".

"Wie leicht oder schwierig ist der Einstieg in diese Technik für das einfache VTF-Mitglied?"

"Jeder, der bereit ist, sich auf die eben so ganz andere Art der Technik einzulassen, kann diese auch nutzen. Es bedarf einer gewissen Eingewöhnung, aber es ist durchaus machbar."

"Hat denn diese Technik überhaupt Zukunft? Wird sie nicht in ein paar Jahren verschwunden sein?"

"Nach meinen Informationen ist die MiniDisc seit einiger Zeit sehr stark im Kommen. Das sieht man schon daran, daß die Preise für eine MinDisk innerhalb der letzten anderthalb Jahre fast um die Hälfte gesunken sind. Auch die Preise für MiniDisc-Recorder sind stark gesunken."

"Sollte der VTF die MinDisk für seine Mitglieder empfehlen?"

"Nun, das ist eine schwierige Frage. Es liegen derzeit doch noch wenige Erfahrungsberichte von Mitgliedern mit dieser Technik vor. Auch ist die Arbeitsweise mit dieser Technik doch sehr individuell. Wer zum Beispiel besonderen Wert auf das Repetieren legt, dem kann ich eigentlich nichts Besseres empfehlen, denn gerade mit dem Repetieren hat es mit Cassettenrecordern so seine Tücke, vor allem wenn man wirklich viel repetiert. Auch denjenigen, die auf exaktes Schneiden Wert legen, ist diese Technik zu empfehlen."

"Sind nun Cassettenrecorder für Einspielungen überholt?"

"Nicht unbedingt. Als die Cassettenrecorder aufkamen, konnten sich viele noch nicht von den Tonbandgeräten trennen, schon weil die Recorder damals noch ziemlich schlecht waren, was übrigens auch für die Cassetten galt. Bei der MiniDisc ist es so: Dem einen ist sie als Arbeitserleichterung willkommen, während andere lieber bei den Recordern bleiben möchten. Aber die Vorteile dieser neuen Technik sind unübersehbar."


(Quelle: VTF-Post P 90, Heft 1/98)