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Zur Problematik des Abhörens unbekannter Lautfolgen

von Theo Bleitgen

Viele Menschen glauben von sich sagen zu können, bevor sie sich einem Gehörtest unterziehen, daß sie gut hören können. Ein Test deckt aber sehr schnell auf, daß diese subjektive Selbsteinschätzung sich nur auf den Bereich bezieht, den das Gehör wirklich nur noch erfassen kann. Der normale tägliche Umgang mit bekannten Geräuschen kann das Gehirn veranlassen, obwohl die Person bestimmte Frequenzen nicht mehr hören kann, diese als Erfahrungswerte zuzusetzen. Dies ist übrigens ein Phänomen, welches von der Wissenschaft bis heute nicht erforscht werden konnte. Man ist absolut überzeugt, richtig gehört zu haben. Dieses Phänomen ist nicht auf das Abhören von unbekannten Lautfolgen anzuwenden. Frequenzen, die dort vorhanden sind, vom geschädigten Gehör aber nicht aufgenommen werden können, werden nicht hinzugesetzt, da die Erfahrungswerte zunächst nicht gespeichert sind.

Wir sehen damit eine unangenehme Begleiterscheinung bestätigt, wenn mehrere Personen die gleiche Einspielung spontan auswerten sollen. Bei 20 Zuhörern gibt es im ersten Hördurchgang meist 10 verschiedene Meinungen, welche sich beim weiteren Abhören erst langsam aneinander angleichen. In diesem Zusammenhang sei auf einen Artikel in der VTF-Post (P53 Seite 39) "Gibt es ein mediales Abhören?" hingewiesen. Darin befaßt sich Fidelio Köberle ausführlicher mit dieser Problematik.

Ein ähnliches Phänomen tritt auf, wenn fast gleich klingende Worte schnell hintereinander aufgenommen werden müssen, die zudem noch aus ihrer Satzumgebung herausgenommen sind.

Alle Sprachen der Welt, und es gibt vermutlich zur Zeit über 5000, setzen sich aus etwa 100 verschiedenen Lauten zusammen. Demnach gibt es eine größere Anzahl von Lauten, die in allen Sprachen ähnlich, oder sogar gleich sind.

Die Fähigkeit zum Verstehen und Produzieren von Sprachlauten ist dem Menschen von Natur aus mitgegeben. Wenn wir unsere Sprache erlernen, dann geschieht dies nach dem Prinzip der Prägung. Was wir immer wieder hören, prägt sich uns ein. Diese Muster werden bei einer Erkennungsphase immer wieder aus dem Gedächtnisspeicher abgerufen und mit dem Gehörten verglichen. Die sensible Phase, in der beispielsweise unsere Muttersprache im Gehirn verankert wird, endet etwa mit dem zehnten Lebensjahr. Natürlich lassen sich auch später noch neue Sprachen erlernen, doch wird man sie dann nicht mehr so akzentfrei sprechen können.

Spricht man beispielsweise die Silbe "KU" und "BA" in regelmäßiger Folge, so hört man entweder "KUBA" oder "BAKU". Es kommt also darauf an, auf welcher Silbe der Hörvorgang gestartet wird. Bezogen auf Einspielungen mit zerhacktem Konservenmaterial fällt in diesem Zusammenhang eine nicht zu unterschätzende Parallele auf. Hier werden Worte zerstückelt, sowie vorher nicht zusammengehörende Silben wahllos zusammengefügt, welche unter Umständen eine sinnvolle Aussage ergeben. Um die Vorgänge zu verstehen, welche sich bei Einspielungen mit geschnittenem Rohmaterial ergeben, müssen umfangreiche Untersuchungen angestellt werden, um eventuelle Verbesserungen vornehmen zu können. Die Art des verwendeten Rohmaterials sowie die Technik des Schneidens spielt hier eine entscheidende Rolle.

Welchen Einfluß haben die Länge, bzw. die Abstände der einzelnen Schnittsegmente zueinander auf das Einspielergebnis? Fördert die Form der Schnittflanken der einzelnen Segmente die Stimmenbildung? Ist es besser, digital geschnittenes Material mit steilen Anstiegs- und Abfallflanken zu verwenden oder die Übergänge zwischen den Segmenten gleitend zu gestalten? Soll man digitale oder analoge Techniken zum Schneiden verwenden? - Alles Fragen, die experimentell geklärt werden müssen, um zu erfahren, ob diese Art der Einspieltechnik für das Stimmenphänomen förderlich ist oder nicht. Erfolgreiche Einspielungen bestätigen zwar diese Richtung, trotzdem sind Untersuchungen unumgänglich. Entscheidend ist, daß selbst aus negativen Untersuchungsergebnissen Erfahrungswerte gebildet werden, welche in weiteren Experimenten nutzbringend zur Anwendung kommen können.

Der eine oder andere mag vielleicht jetzt dagegen halten, man sollte eine Methode nicht bis ins letzte analysieren. Aber wie sollen wir letztlich Gewißheit erhalten, was eine echte paranormale Stimme ist, und was nicht? Da es außer der Technik einfach keine andere Alternative zur Beweisführung des Stimmenphänomens gibt, ist es notwendig, hochmoderne, uns erschwingliche Technik einzusetzen. Wenn wir Techniker nicht kritisch untersuchen, dann wird "Otto Normaleinspieler" keine richtigen Ergebnisse erwarten können.

Der Entschluß der Wiesbadener Forschungsgruppe, bei Einspielungen wieder verstärkt mit natürlichen Umweltgeräuschen und synthetisch erzeugten Klängen zu arbeiten, welche keinerlei Sprachfragmente enthalten, sollte vielleicht Nachahmer finden.

Ein mit dem Computer oder aus anderen Quellen hergestelltes weißes, rosa und braunes Rauschen stellt einen absolut sprachfreien Hintergrund dar. Ebenso wie mit dem in den 80er Jahren erfolgreich eingesetztem rosa Rauschen, kombiniert mit einer wahlfreien Folge von synthetisch hergestellten Tönen, werden wieder Experimente unternommen. Die damals damit aufgezeichneten Stimmen waren ausdrucksvoll und sauber, aber relativ leise. Mit der heute zur Verfügung stehenden Filtertechnik in Verbindung mit einem Computer stellt dies aber kein ernsthaftes Hindernis mehr dar. Man konnte sich auf der diesjährigen Tagung in Fulda davon überzeugen.

Als Anhänger der Tonbandstimmenforschung sind wir überzeugt, daß es paranormale Stimmen sind, die wir auf Tonband aufnehmen. Wir Techniker müssen uns aber auch der kritischen Frage stellen, ob das für eine wissenschaftliche Beweisführung ausreicht.

Die anerkannte wissenschaftliche Methodologie verlangt, daß ein Phänomen der Beobachtung, der experimentellen Kontrolle, der Messung von Daten und der statistischen Analyse unterzogen werden kann. Wir sollten diese Forderung tunlichst erfüllen, soweit sie den technischen Bereich betrifft, sowie die untersuchten Charakteristika in einer Datenbank festhalten.

Neben technischen Daten können einige parapsychologischen Aspekte zwar unter den strengsten wissenschaftlichen Bedingungen untersucht werden, viele andere dagegen jedoch nicht. Darin besteht das Problem für den interessierten Wissenschaftler.

Er muß sich dafür entscheiden, nur das zu studieren, was unter seine Methodologie fällt, oder er muß sich eingestehen, daß es Erfahrungsbereiche gibt, die außerhalb der Einschränkung von Raum und Zeit liegen und es wert sind, erforscht zu werden.

Auf jeden Fall aber muß sich der Wissenschaftler sowie der Laienforscher hüten, in nicht entschuldbarer Weise unwissenschaftlich zu sein, indem er etwas, das er nicht untersucht hat, als unwahr abtut.


(Quelle: VTF-Post P 81, Heft 4/95)