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Tonbandstimmen lebendiger denn je

Eindrücke von Fulda 1995
von Fidelio Köberle

Die "Jubiläums-Tagung" (20 Jahre VTF) im Kolpinghaus, Fulda, brachte eine dem Anlaß angemessene Sensation, nämlich die öffentliche Darstellung eines neuen Filterverfahrens, mit dem es möglich ist, verrauschte oder sonstwie mit Störungen überlagerte Stimmen so einwandfrei zu säubern, daß sie auch von ungeübten Hörern gehört und verstanden werden können. Auf diese Weise vergrößert sich die Zahl der "brauchbaren" Stimmen ins Unermeßliche. Das bedeutet eine bereits heute vorhandene potentielle Informationsfülle über das Jenseits, die wir eigentlich erst in ferner Zukunft erhofft hatten. Nämlich erst dann, wenn und bessere technische Geräte bzw. Methoden für das Einspielen zur Verfügung stehen würden. Wir müssen also total umdenken! Einen großen Teil unserer Energie werden wir für das Filtern mit der neuen Computertechnik abzweigen müssen, um alle die Schätze zu heben, die sich in den Jahren seit Jürgensons Entdeckung im Jahre 1959 bei uns angesammelt haben.

Da die neue Filtermethode nur von solchen Kollegen angewandt werden kann, die sicher mit Computern umgehen können, wird sich eine Spezialisten-Mannschaft herausbilden müssen, die sich dieser Aufgabe widmet. Das Verfahren ist leider mühsam und zeitaufwendig. Aber die Ergebnisse lohnen jede Mühe - so überzeugend fallen sie aus. Glücklicherweise benutzen schon viele - meist jüngere - Kollegen in ihrem Beruf einen Computer, und es werden täglich mehr. Personell wird also kein Mangel entstehen. Es kommt jetzt nur noch auf das Interesse und das Engagement an, damit wir genügend Computer-Filterer haben.

Zu dem Spezial-Programm für das Filtern steht leider nur ein Handbuch in englischer Sprache zur Verfügung. Freundlicherweise hat sich unsere Kollegin Jutta Liebmann - von Beruf Übersetzerin - bereit erklärt, das Handbuch ins Deutsche zu übertragen.

Wir haben allen Grund, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Ein ganz wesentlicher Schritt ist jetzt getan, um den Tonbandstimmen in der Öffentlichkeit endlich den Stellenwert geben zu können, den sie verdienen. Bisher konnten Außenstehende - auch Wissenschaftler - oft guten Gewissens sagen: "Nun ja, Sie hören das und das da heraus, aber ob es wirklich so heißt, kann ich nicht bestätigen, dafür ist es zu undeutlich, weil zu sehr von Störgeräuschen überlagert." Das ist jetzt vorbei! Das trifft nicht nur für "alte" Stimmen zu, sondern auch für neue, die wir mit unseren herkömmlichen Methoden erhalten. Auch sie sind ab sofort qualitativ so stark anzuheben, daß sie quasi "live" überzeugen, d.h. unmittelbar nach der Einspielung. Auch das ist in vielen Situationen eine sehr wertvolle Hilfe, etwa bei Live-Einspielungen, wie sie von öffentlichen Medien (Fernsehen) immer wieder gefordert wurden, die wir aber aus gutem Grund bisher immer ablehnen mußten. Es bleibt zwar immer noch das Risiko, daß überhaupt nichts kommt. Wenn aber wenigstens schwache Stimmen kommen sollten, was ja auch vorkam, dann fallen diese nicht mehr unter den Tisch. Das könnte uns den Entschluß, Live-Einspielungenin der Öffentlichkeit durchzuführen, etwas erleichtern. Es setzt allerdings voraus, daß neben dem Einspieler noch zusätzlich ein Filterer zugegen ist für die Nachbearbeitung.

Das neue Filtern wird jedem Einspieler zugute kommen, nur kann er es zugegebenermaßen meistens nicht selbst durchführen, sondern ist auf Hilfe angewiesen. Die Eigenaktivität der sogenannten "Basis", also die große Zahl der eigentlichen Einspieler, soll gefördert werden durch die Bildung von Arbeitsgemeinschaften, wie sie vom Herausgeber in Fulda angeregt wurde. Es wurden Fragebogen verteilt, auf denen jeder seine bevorzugte Einspielmethode ankreuzt, wenn er an einer entsprechenden Arbeitsgemeinschaft teilnehmen möchte. Ein Muster dieses Fragebogens befindet sich am Schluß dieses Heftes zum Heraustrennen. Durch Gedanken- und Erfahrungsaustausch soll erreicht werden, daß jede Einspielmethode zur Perfektion entwickelt wird. Jede Arbeitsgemeinschaft wird bzw. kann überregional aktiv sein, d.h. Mitglieder überall und nicht nur an einem Ort haben. Wir erhoffen uns davon eine fruchtbare gegenseitige Anregung zu intensiverem Forschen und eine Steigerung bzw. Verbesserung der Ergebnisse, was naturgemäß die Freude an der Forschung vermehrt.

Eine Wiederbelebung der Einspielungen im großen Saal wurde von den Tagungsteilnehmern dankbar begrüßt. Da es grundsätzlich nicht möglich ist, die Ergebnisse gleich nach der Einspielung vollständig vorzuführen und genügend zu würdigen, wurde verabredet, die erhaltenen Stimmen nach und nach in der VTF-Post zu veröffentlichen. Im nächsten Heft werden zunächst die Ergebnisse der Parabolmikrofon-Hall-Einspielung des Herausgebers wiedergegeben.

Für einige Aufregung sorgte die Vorstellung des neuen "Bremer Recorders", der das Optimum dessen darstellt, was wir als Handwerkszeug brauchen: Repetiereinrichtung, raffinierte Geschwindigkeits- und Klangregelung. Und das zu einem erschwinglichen Preis (DM 200,-). Die Besteller standen bei unserem Kollegen Horst Hansen (Firma Diamant-Electronic, Delmenhorst) Schlange, um ihre Orders abzugeben. Es wird gewissenhaft darauf geachtet, daß das Gerät nur an VTF-Mitglieder abgegeben wird.

Ebenfalls großes Interesse fand die Vorstellung des "Berliner Psychophons 2 (nach Franz Seidl)" durch unseren neuen Kollegen Bernd Giwer, Berlin. Es wird mit zwei Sperrkreisen geliefert, um die bekannte Störung des Empfangs durch starke Ortssender zu eliminieren. Endlich gibt es wieder dieses wertvolle Zusatzgerät für den Stimmenempfang, auf das wir so lange verzichten mußten.

Außer seinem großen Vortrag über die Einsatzmöglichkeiten des Computers opferte sich Theo Bleitgen mit Christoph Ried im kleinen Saal auf, um Gehörprüfungen durchzuführen und konkrete Stimmenfilterungen vorzunehmen.

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Der Leser dieser Zeilen bekommt leicht den Eindruck, als ob es in Fulda diesmal nur um die Technik gegangen wäre. Dem ist nicht so! Es stimmt schon, daß die Technik einen gewissen Schwerpunkt bildete, aber der geistige Aspekt unserer Arbeit kam trotzdem nicht zu kurz. Das wird deutlich, wenn man den Tagungsbericht des Vorstandskollegen Uwe Wagner lesen wird.


(Quelle: VTF-Post P 80, Heft 3/95)