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Stimmen, Stimmen und nochmals Stimmen!

von Fidelio Köberle

Als ich am 18.12.1994 in einem Brief an die Mitglieder unseres Techniker-Teams eine Rangordnung der Aufgaben aufstellte, lag an erster Stelle die Forderung: "Stimmen - Stimmen - Stimmen!!! Ganz gleich, auf welchen Weise gewonnen". Damals konnte ich nicht ahnen, daß dieser Wunsch bereits nach einem Vierteljahr in Erfüllung gehen würde, nämlich am 9.4.1995. Und zwar wortwörtlich und auf eine überraschende Weise. Ich hatte an neue Geräte und Methoden gedacht, welche häufiger als bisher laute und klare Stimmen bringen. Die Wunscherfüllung kam aus einer ganz anderen Ecke: Theo Bleitgen führte im Kölner Technologiezentrum ein sensationelles Filtersystem vor, das alles Bisherige in den Schatten stellt. Hiermit ist es möglich, alle "alten" Stimmen, die wir wegen störender Nebengeräusche (z.B. Rauschen) nicht so recht beachtet hatten, so zu säubern, daß sie als Paradebeispiele angesehen werden können. Bei jedem ernsthaften Tonbandstimmenforscher haben sich im Laufe der Jahre hunderte von solchen Stimmen angesammelt, die ein Schattendasein fristen, denen man wegen ihrer wertvollen Aussagen aber ein besseres Schicksal wünschte. Ab sofort ist es technisch möglich, diese Schätze ans Tageslicht zu heben. Es kann jetzt tatsächlich Stimmen regnen. Zwar keine neuen, sondern verbesserte in nie gekannter Schönheit. Das Bild vom nachtodlichen Leben, soweit es sich anhand der Tonbandstimmen darbietet, weist bis heute noch große Lücken auf. Jetzt können wir dort eine große Zahl von neuen Mosaiksteinchen einfügen, wodurch wir klarer sehen werden.

Auf unserer diesjährigen Tagung in Fulda ("20 Jahre VTF") wird die neue Filtermethode vorgeführt, und sie wird der absolute Höhepunkt der Veranstaltung sein, weil sie einen Quantensprung auf unserem ureigensten Gebiet darstellt.

Wir haben jetzt nach meiner Einschätzung etwa die Hälfte des Weges zurückgelegt, den wir gehen müssen zum letzten Ziel: Jederzeit gute Stimmen zu bekommen und nicht von Zufällen der verschiedensten Art abhängig zu sein.

Stimmen in großer Zahl und Variationsbreite sind wichtig, um die Menschen zu überzeugen. Der wissenschaftliche Beweis für ihre Paranormalität kann dagegen zunächst zurücktreten. Meine Erfahrungen aus inzwischen zweieinhalb Jahrzehnten Umgang mit interessierten Normalverbrauchern und Medien (Zeitungen, Radio, Fernsehen) zwingen mich zu der Erkenntnis: Die Leute wollen aussagekräftige und gut verstehbare Stimmen hören. Man hat einen erstaunlich großen Vertrauensvorschuß in der breiten Öffentlichkeit (von dem leider auch Scharlatane profitieren). Beinahe jeder Hörer freut sich: "Stellt euch vor, ich habe die Stimmen gut verstanden!" Notorische Skeptiker können wir sowieso nicht überzeugen, auch wenn wir ihnen die Beweise auf einem goldenen Tablett servieren. Sie sind ja nicht am Inhalt der Stimmen interessiert, wie etwa der Mann auf der Straße.

Die bisher benutzten Methoden (Mikrofon- und Radioeinspielungen) brachten schon beachtliche Erfolge - mit der neuen Filtermethode werden sie sogar noch potenziert. Aber sie haben den Nachteil, daß sie relativ selten auftreten, was uns daran hindert, Live-Einspielungen in der Öffentlichkeit zu wagen. Die nächste Etappe unserer Bemühungen sollte also sein, Geräte und Methoden zu entwickeln, welche häufiger aussagekräftige Stimmen bringen. Geräte und Methoden, die von jedermann ohne großen Aufwand anwendbar sind. Glücklicherweise tut sich in unserem Technikerteam derzeit eine ganze Menge. Darüber werden wir bald Näheres berichten können. Es handelt sich zum Beispiel um Zusatz- und Hilfsgeräte, wie etwa das berühmte Psychophon von Franz Seidl, das dringend wiederbelebt werden muß, weil es herrliche Stimmen brachte. Außerdem ist das Anbieten von "unverdächtigem" akustischem Rohmaterial das Ziel diverser Neuentwicklungen, die zur Zeit erprobt werden.

Soweit wie möglich wollen wir das "Handwerkszeug" des Einspielers, nämlich den Cassetten-Recorder, noch mehr den Erfordernissen der täglichen Arbeit anpassen, als das von Seiten der Hersteller geschehen ist. Hierüber wird in diesem Heft gesondert berichtet.

Selbstverständlich wird das Thema "Beweis der Paranormalität der Stimmen" nicht vernachlässigt. Es gibt hierfür verschiedene Ansatzpunkte. Einer davon wird an anderer Stelle in diesem Heft vorgestellt.

Ein weites Feld ist die Grundlagenforschung, für die sich einige Kollegen intensiv interessieren. Man will herausfinden, wo und wie die Stimmen entstehen, um so Hinweise für den Bau von Geräten oder die Entwicklung neuer Methoden zu erhalten.

Den Paranormalitäts-Beweis müssen wir nicht bei jeder Stimme antreten. Es genügt, wenn es eine Methode gibt - und die darf ruhig kompliziert sein -, mit welcher der wissenschaftlich einwandfreie Beweis erbracht werden kann: Es gibt paranormale Tonbandstimmen.

Ich halte nichts davon, die Normal-Einspieler damit zu belasten. Sie sollen freiweg ihre Einspielungen machen können mit ihren erprobten Methoden, ohne ängstlich auf die Wissenschaftler zu schauen, die eventuell Einwände erheben könnten. So etwas würde allen die Freude an der Sache verderben. Was man von jedem Einspieler erwarten darf, ist lediglich, daß er sich selbst gegenüber kritisch ist und sich selbst nichts vormacht. Was das konkret bedeutet, wurde an dieser Stelle immer wieder erörtert. Mit welchen Stimmen man dann an die Öffentlichkeit geht, ist eine andere Sache. Aber das sollen getrost die Fachleute entscheiden, die sowohl die Mentalität der Massen als auch unseren Anspruch auf Seriosität im Auge haben.


(Quelle: VTF-Post P 79, Heft 2/95)