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Wie erkennt man falsche (getrickste) Tonbandstimmen?

von Fidelio Köberle

Immer wieder werden Tonbandstimmenforscher, aber auch interessierte Laien alarmiert durch Meldungen von sensationellen 'Durchbrüchen' und nochniedagewesenen Erfolgen einzelner Personen auf dem Gebiet der Tonbandstimmenforschung. Man redet von 'Sternstunde', 'größtem Ereignis seit Christi Geburt' und ähnlichem. Viele Zeitschriften, aber auch Rundfunk- und Fernsehsender überschlagen sich regelrecht dabei, die unglaubliche, aber angeblich wahre, Neuigkeit unters Volk zu bringen. Das fördert die Auflagenhöhe und die Einschaltquoten (von denen die Reklameeinnahmen abhängen). Wenn dann einige Zeit vergangen ist, redet kaum noch jemand von diesen angeblich unser Weltbild umstürzenden Entdeckungen.

Ich erinnere nur an die seinerzeitige Sensation 'Spiricom' des Amerikaners George W. Meek, die in der Osterwoche 1982 mit einem unüberhörbaren Paukenschlag überall in der Welt gleichzeitig bekanntgegeben wurde. Es wurde behauptet, ein gewisser O'Neil habe in zehnjähriger Arbeit eine Wundermaschine entwickelt, die etwa eine halbe Million Dollar (damals etwa 2 Millionen DM) gekostet hat, mit der er Dialoge mit verschiedenen Personen im Jenseits habe führen können. Zum Beweis für diese Kontaktaufnahme wurde eine Cassette mit einem Funktelefongespräch zwischen O'Neil und den 'Toten' verschickt. Ich habe auch eine bekommen. Dazu ist zu bemerken, daß der genannte Betrag von einer Stiftung 'Metascience Foundation, Inc.' kam, welcher Meek vorstand, und deren Mittel wohl in der Hauptsache von ihm selbst stammten. Von 2 Millionen Mark konnte O'Neil 10 Jahre gut leben, auch wenn er die Teile, aus denen er sein Gerät zusammenbaute, selbst bezahlen mußte. Zu der Zeit, als überall in der Welt die Wundermaschine bekanntgemacht und zum Nachbau empfohlen wurde, schwieg sie bereits ein halbes Jahr. Und vorher konnten ihr auch nur von einer einzigen Person (dem Erbauer O'Neil!) Stimmen entlockt werden. Seit Ende 1981 also ist die Maschine mausetot, und niemand, auch O'Neil nicht, konnte sie seitdem zum Sprechen bringen. Ist das nicht merkwürdig? Zwei Millionen Mark wurden bezahlt für eine einzige armselige Cassette, deren Echtheit im höchsten Maße zweifelhaft ist. Wenn ein Gerät, wie Spiricom, einen Sender und einen Empfänger enthält, ist der Trickserei Tür und Tor geöffnet. Da könnte man natürlich leicht Funktelefongespräche herstellen, nur daß eben der Gesprächspartner nicht tot war.

Wie kann man sich aber vor solchen Irreführungen und Enttäuschungen schützen? Nun es gibt eine ganze Reihe von Indizien, die einen Trick-Verdacht stützen können:

  1. Wer als einziger ein von ihm entwickeltes Wundergerät bedienen darf, ist verdächtig.
  2. Wer keinem unabhängigen fachkundigen Prüfer erlaubt, das Gerät vor, während und nach einer 'Sensations-Einspielung' zu untersuchen, ist verdächtig.
  3. Wer sich auf einen eindeutig als Gefälligkeitsgutachten erkennbaren Untersuchungsbericht stützt, ist verdächtig.
  4. Wer behauptet, zum Zustandekommen einer Sensationseinspielung mit dem Gerät benötige man unbedingt Medialität, ist verdächtig.
  5. Wer nur selbst die Fragen bei der Einspielung stellt und keine spontanen Fragen - auf die er nicht vorbereitet ist - zuläßt, ist verdächtig.
  6. Wenn die 'Stimmen' dasselbe miserable Deutsch sprechen wie der Erfinder, dann ist er verdächtig.
  7. Wenn die 'Stimmen' immer wieder den Erfinder loben, als Freund bezeichnen und sonstwie seiner Eitelkeit frönen, dann ist er verdächtig.
  8. Wer in seine Gerätezusammenstellung einen Sender und einen Empfänger integriert hat, ist verdächtig.
  9. Wer viele Minuten lang 'Vorträge' als Jenseitskundgaben ausgibt, ist verdächtig.
  10. Wer 'Stimmen'vorführt, bei denen man trotz Verfremdungsbemühungen erkennen kann, von welchem noch unter uns Lebenden sie stammen, ist verdächtig.
  11. Wer die 'Stimmen' mit einem Störton überlagert, ist verdächtig.
  12. Bei wem in einer Einspielung ganz identische Wiederholungen vorkommen, sei es als 'Stimmen', sei es als 'Umfeldgeräusche', der ist verdächtig.
  13. Wenn der Schluß der Einspielung immer durch das Wort 'Ende' o.ä. signalisiert wird, ist die Sache verdächtig.
  14. Wenn im Einspielraum eine für das Augenlicht schädliche Lampe (U1traviolett- oder Quarzlampe) so installiert ist, daß die Teilnehmer dem Experimentator den Rücken zukehren müssen, er also unbeobachtet hantieren kann, dann ist die Sache verdächtig.
  15. Wer Geld für Tonband-Kontakte nimmt, ist verdächtig, weil er dann ja immer etwas bringen muß, und das ist erfahrungsgemäß nicht möglich.

Welche Möglichkeiten zum Tricksen gibt es? Es gibt mehrere, und diese kann man abwechselnd anwenden, je nach Situation. Nicht alle lassen sich nämlich überall durchfuhren.

A. Bei Verwendung eines Stereo-Tonbandgerätes kann man die Spur 1 zu Hause in aller Ruhe mit 'Stimmen' spicken, indem man sie selbst mit verstellter Stimme draufspricht, oder sie von jemand anderem draufsprechen läßt (der ahnungslos sein kann, weil man ihn nicht aufgeklärt hat, wozu das dient), oder sie aus bereits bestehenden Tonaufzeichnungen herauskopiert (das könnten sogar echte paranormale Stimmen sein!). Zwischen den einzelnen 'Stimmen' läßt der Trickser ausreichend Platz frei, um in diesen Pausen seine vorbereiteten Fragen zu stellen, die ja zu den bereits aufgezeichneten 'Stimmen' passen müssen. Bei der angeblichen 'Einspielung' läßt der Trickser dann sein Bandgerät laufen, nachdem er es auf 'Aufnahme' gestellt und ein Mikrofon angeschlossen hat. Er stellt seine erste Frage, und danach hört man im Lautsprecher die 'Antwort', die ja schon längst auf dem Band fixiert war. In der auf dem Band vorsorglich freigelassenen Zeit stellt er seine zweite Frage, und prompt kommt aus dem Lautsprecher die zweite präparierte Antwort. Der aufmerksame Leser wird jetzt fragen: "Ja, aber, wenn das Gerät auf 'Aufnahme' steht, wird doch alles gelöscht, was vorher drauf war?" Im Prinzip hat er Recht. Der Trickser hat wohlweislich sein Gerät so präpariert, daß der Tonkopf für Spur 1 nicht aufnehmen kann, sondern nur der für Spur 2. Auf Spur 2 kann man dann Fragen und Antworten hören. Auf Spur 1 befinden sich nach wie vor nur die vorfabrizierten 'Stimmen'.

Diese Methode kann man praktisch überall anwenden, es sei denn, man muß befürchten, daß jemand darauf besteht, daß das eingelegte Band vor der Einspielung gelöscht wird.

B. Eine 'elegante' Methode, die man allerdings nur anwenden kann, wenn die Einspielungen im eigenen Hause stattfinden, bei der weder das Band noch das Gerät manipuliert werden müssen, ist die folgende: Mit Hilfe eines Meßsenders stellt man fest, auf welcher Frequenz das Tonbandgerät bezw. der Cassetten-Recorder Radio- oder Funksendungen empfängt. Jedes handelsübliche Gerät hat solche Frequenzen. Hat man die günstigste Frequenz ermittelt, dann braucht man nur einen Sender auf diese einzustellen und kann nun beliebigen Text in das aufzeichnende Gerät hineinfunken. Diesen Sender kann man etwa in einem Raum stationieren, der sich direkt über dem Tonbandgerät befindet. Über diese kleine Distanz ist bester Empfang gewährleistet. Wenn der Trickser also ein Band mit 'Stimmen' präpariert hat, wie unter A beschrieben, kann er es durch eine Hilfskraft (z.B. die Ehefrau) von einem zweiten Tonbandgerät abspielen lassen. Oder der Trickser benutzt selbst eine unauffällige Einschalthilfe, mit der er das Trickband samt Sender in Gang setzt.

Bei dieser Methode findet ein Prüfer nichts Verdächtiges an den im Einspielraum benutzten Geräten und Bändern. Er müßte nämlich während der Einspielung ein spezielles Empfangsgerät benutzen, das alle Frequenzen abhört, oder er müßte rechtzeitig vorher die 'Empfangsfrequenz' des Tonbandgerätes ermittelt haben. Dann könnte er bei der 'Einspielung' mithören, und der Trick wäre entdeckt.

C. Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung eines versteckt irgendwo in der Superanlage eingebauten Mini-Diktiergerätes. Diese gibt es in so kleiner Ausführung, daß sie sich leicht unauffällig unterbringen lassen. Dieses Gerät spielt während der 'Einspielung' ein mit 'Stimmen' präpariertes Band ab. Sein Einschalten kann mit dem Einschalten des aufnehmenden Tonbandgerätes so gekoppelt werden, so daß man es als Teilnehmer nicht bemerkt.

D. Die bis jetzt geschilderten Möglichkeiten lassen sich ohne einen Komplizen verwirklichen. Für die nachstehend beschriebene Variante braucht man aber jemanden, der eingeweiht ist und bewußt das Spiel mitspielt. Es wird dabei mit zwei Sendern und mit zwei Empfängern gearbeitet. Die eine Sender- und Empfänger-Kombination befindet sich beim Einspielenden, die andere irgendwo, etwa in einem Haus in der Nachbarschaft. Bei dieser Methode hört der Komplize alle gestellten Fragen und kann darauf antworten. So können auch spontane und überraschende Fragen den Experimentator nicht in Verlegenheit bringen. Bei den Methoden A - C wären sie unmöglich.

Jetzt könnte man die Frage stellen, warum diese Trickmöglichkeiten hier bekanntgemacht werden. Verleitet das nicht zum Tricksen? - Diese Gefahr ist längst nicht so groß wie die der Irreführung von Millionen durch Betrüger. Wer tricksen will, kennt die Methoden längst und fühlt sich der Masse überlegen, weil die ja in seinen Augen so dumm ist und betrogen werden will. Diese Veröffentlichung soll jedem die Möglichkeit geben, Tricks leichter zu durchschauen.

Um es an dieser Stelle ganz deutlich zu sagen: Die oben aufgeführten Indizien sind von unterschiedlichem Gewicht. Es wird nicht behauptet, daß beim Vorliegen von nur einem der 15 Indizien bereits der Beweis von Trick gegeben sei. Es gibt allerdings auch sehr schwerwiegende, bei denen ein Indiz schon ausreichen könnte. Aber in den meisten Fällen werden zwei oder mehrere Indizien zusammentreffen, und dann heißt es, höchst vorsichtig zu sein.


(Quelle: VTF-Post P 51, Heft 2/88)