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Tonbandstimmenforschung in der ehemaligen DDR – und danach

von Günter Heinke (†2008) (DL1DTR) aus der Oberlausitz

Ob es zu diesem Thema bereits Veröffentlichungen gab, ist mir nicht bekannt.

Ich habe mich in den Achtziger Jahren mit der Problematik recht eingehend befaßt und möchte nachstehend darüber berichten.

Schon als Kind (geboren 1937) begeisterte mich alles, was mit Technik, aber vor allem mit dem Radio in Zusammenhang stand. Leider erfüllte sich mein damaliger Wunsch, in dieser Hinsicht auch beruflich tätig zu werden, durch die Verhältnisse in den Nach­kriegsjahren nicht. Geblieben ist jedoch stets das Interesse an allem, was mit Hochfre­quenztechnik zu tun hat. Und so bin ich auch heute noch als Funkamateur vorwiegend auf Kurzwelle in Telegrafie zu hören, soweit dies die knapp bemessene Freizeit eines Rentners zuläßt.

Es ist etwa 1983 gewesen, als mich Arbeitskollegen auf Rainer Holbes "Unglaubliche Geschichten" im RTL-Hörfunk aufmerksam machten. Ich fand die Sendungen äußerst interessant. Unsere in Mannheim wohnenden Verwandten schmuggelten im Weihnachts­paket Friedrich Jürgensons "Sprechfunk mit Verstorbenen" und mehrere Hefte der damals im Knaur-Verlag erschienenen "Unglaublichen Geschichten" herüber. Was lag näher, als selbst zu versuchen, Tonbandstimmen aufzunehmen. Mir stand ein aus Polen importiertes Spulentonbandgerät zur Verfügung, welches sich sehr gut bewährte. Die ersten Tests verliefen allerdings wenig erfolgversprechend. Tonband­gerät und ein zu unempfindliches dynamisches Mikrofon genügten allein nicht, um auswertbare Einspielungen zu erhalten. Die Radio-Methode brachte bessere Ergebnisse. Für Amateurfunkzwecke hatte ich in ein handelsübliches Rundfunkgerät einen sogenannten 2. Oszillator (BFO) eingebaut, der die Aufnahme und die Verständ­lichkeit von Telegrafie- und Einseitenband-(SSB-)Signalen verbesserte bzw. erst ennöglichte. Dieses um den zugeschalteten BFO erweiterte Gerät nutzte ich dann auch für Versuche, Stimmen zu empfangen.

Bei allen Aufnahmen auf Band und deren Deutung bin ich stets äußerst kritisch vorgegangen, bestand doch hier kaum die Möglichkeit, aufgenommene Texte jemandem zur Beurteilung vorzulegen. Es sollte ja der Nachweis "echter" Stimmen erbracht werden. Ich schätze ein, daß es auf dieser Basis einige recht interessante Ergebnisse gegeben hat.

Nachstehend einige Beispiele:

Es meldete sich mehrmals "Charly". Aus "Charly" wurde auch "Charly Darwin". ln einer Biographie über Charles Darwin habe ich später gelesen, daß er zu Lebzeiten mit "Charly" angesprochen wurde. Ich frage mich nur, warum er sich gerade bei mir hören ließ.

11.11.1987: "Dein Funk ist dein Motivation".

14.11.1987: "Ein grader Weg sagt die gut’ste Mutter dein".

Eigentlich typisch für meine Mutter, derartige Sprüche hatte sie immer parat. Meine Eltern waren Mitte der siebziger Jahre verstorben.

6.11.1988: "Vom früheren Leben kennen uns schon".

31. 12. 1988:

"Langsam du besser einsiehst hier befaßt sich Raudive".

31. 12. 1988: "Dein Vater lebt".

Wenige Monate vorher verstarb mein Onkel, derjüngste Bruder meines Vaters. Wenn ich genau hinhöre, meine ich, in diesem Falle tatsächlich die Stimme des Onkels zu vernehmen.

30.1.1988: "Da hat gegrüßt Karl May Egotist am am Besuchsbild du viel lesen für dich sehr gut".

Laut Duden bezeichnet man einen Verfasser von Ich-Romanen als Egotist. Lassen hier wirklich Kara Ben Nemsi und Old Shatterhand grüßen??? Oder ist auch dies eine Täuschung?

Mit der politischen Wende in Ostdeutschland änderte sich sehr viel.

Ich war dadurch beruflich stark in Anspruch genommen und auch im privaten Bereich gab es neue Möglichkeiten. Nicht immer langte die zur Verfügung stehende Zeit zur Beschäftigung mit dem Tonbandgerät. Prompt sagte man mir am 21.6.1994: "Du keine Zeit mehr".

Als unser Schwiegersohn später seinen Internet-Anschluß bekam, habe ich mich im Jahr 2002 über die Suchmaschine Google nach dem heutigen Stand der Stimmenforschung erkundigt und so auch vom VTF Kenntnis erhalten.

Frau Karin Dorner gilt mein Dank für die umgehende Zusendung der VTF-Post. Inzwischen bin ich Mitglied des Vereins für Transkommunikations-Forschung.

Für Versuche stehen mir jetzt ein Weltempfänger "Yacht Boy 400" (SSB-Empfang möglich) sowie der Empfangsteil meines Kurzwellen-Transceivers zur Verfügung.

Daß nach wie vor Stimmen hörbar sind, zeigt u.a. folgendes Beispiel: Am 19.11.2002 hatte ich mich nochmals mit der aus dem Intemet heruntergeladenen Beschreibung der "SSB-Methode" beschäftigt (Jürgen Nett: "Das Geheimnis meiner Einspielerfolge", erschienen in der VTF-Post P 102, Ausgabe 1/2001). Im 41-Meter-Rundfunkband waren ausländische Stationen gut zu hören. Ich ging nach Jürgen Netts Hinweisen vor, wechselte aber wieder auf die Ausgangsfrequenz. Und da wurde der russische Text von den Worten "warst du transciv ich höre" abgelöst, klar und deutlich im Kopfhörer zu verstehen (transciv = auf einer, auf g1eicher Frequenz). Der Empfängerlautsprecher war abgeschaltet, ein Aufnahmegerät nicht betriebsbereit. So konnte ich diese Durchsage leider nicht dokumentieren.

Soweit mein Bericht. Vielleicht gibt es Parallelen zu Einspielungen anderer Experimentatoren. Vergleiche sowie eventuelle Übereinstimmungen wären selbstverständlich sehr aufschlußreich.


(Erschienen in der VTF-Post P 112, Ausgabe 3/2003)