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Sind wir zur Neutralität verpflichtet?

von Uwe Wagner

Wenn man auf unseren Tagungen oder auch anderen Treffen von VTF-Mitgliedern einmal auf die Gespräche hört, drängt sich einem unwillkürlich der Eindruck auf, dass bestimmte esoterische Lehren und Denkmodelle sozusagen zum festen Bestandteil des Glaubensgebäudes eines Tonbandstimmenforschers gehören. Man empfindet sich in jedem Fall als Esoteriker und demzufolge glaubt man nicht nur an das Vorhandensein einer jenseitigen Existenz, sondern auch und in jedem Fall beispielsweise an die Reinkarnation. Ein Neuling im VTF könnte, so meine ich, durchaus auf den Gedanken kommen, dass diese Ansichten sozusagen Pflicht für VTF-Mitglieder sind und hier möchte ich versuchen, etwas mehr Klarheit zu schaffen.

Grundsätzlich ist eins klar: Die Begegnung mit den Tonbandstimmen und die Tatsache, dass wir mit Verstorbenen Kontakt haben, wirft religiöse und weltanschauliche Fragen auf, an denen niemand vorbei kommt. Die Frage ist nur, in welche Richtung bewegen sich unsere Gedanken, und da gibt es nach meinem Wissensstand durchaus verschiedene Möglichkeiten. Schon die Auffassung des Jenseitsbegriffs ist verschiedenen Interpretationen unterworfen. Uns allen vertraut ist die christliche Lehre, die uns sagt, dass unsere Seele weiterlebt, wenn der Körper stirbt. Dies hat auch der Papst eindeutig erklärt und uns als Tonbandstimmenforscher ein gutes Standbein der Argumentation in die Hand gegeben, wenn es gegen den Grundsatz "Du sollst die Toten nicht befragen" zu Felde zu ziehen gilt.

Wir müssen also registrieren, dass es eine nicht unbeträchtliche Zahl von Tonbandstimmenexperimentatoren gibt, die sich ganz klar christlich orientieren und möglicherweise der Reinkarnationslehre skeptisch, wenn nicht gar ablehnend gegenüberstehen. Dieser Tatsache sollten wir uns immer in Gesprächen und Diskussionen bewusst sein.

Dennoch kann es einem Tonbandstimmenforscher nicht genügen, sich an starren Dogmen festzuhalten. Die Tonbandstimmenforschung zeigt uns ja gerade, dass wir auch mit Tabus und liebgewordenen Überlieferungen brechen müssen, wenn sich Beweise dafür finden. So bedeutet also Esoteriker zu sein, nicht unbedingt das Festhalten an bestimmten Dogmen, welcher Richtung auch immer. Es bedeutet in erster Linie, sich als Suchender zu empfinden, als Sucher nach kosmischen Wahrheiten. Wie und wo wir diese finden, liegt oft meilenweit vom Gegenstand unserer Forschung entfernt; es ist eine Folge unserer aus den Ergebnissen unserer Forschung gewonnenen Erkenntnisse. Ein Denkprozeß ist in Gang gekommen, den wir nicht stören sollten.

Ich habe es immer gut und richtig gefunden, dass bei uns im VTF absolute Glaubensfreiheit herrscht, was heutzutage, bei den vielen esoterischen Denkrichtungen, etwas heißen will. Dabei sollte es auch bleiben. Niemand sollte versuchen, andere von seinen, von ihm vielleicht als allein seelig machend empfundenen Glaubenssätzen zu überzeugen. Uns einigt der Wunsch, mehr über das zu wissen, was sich auf der anderen Seite tut, alles andere ist die persönliche Meinung jedes einzelnen, was nun aber auf der anderen Seite nicht heißen soll, dass es keine Diskussionen über die weltanschaulichen Konsequenzen unseres Forschungsgebietes geben darf. Im Gegenteil: Der Gedanken- und Meinungsaustausch ist wichtig für unsere Arbeit, vereinsoffiziell aber sollten wir auch weiterhin strengste Neutralität wahren. Wir haben uns selbst den Anspruch gesetzt, nach wissenschaftlichen Prinzipien zu forschen und da zählt eben nur das, was wir von drüben hören und auch verifizieren können.


(Quelle: VTF-Post P 101, Heft 4/2000)