Zurück zur Startseite
 Startseite   Kontakt   Impressum   English  Zitat von Friedrich Jürgenson

Hypothesen zur Entstehung des Tonbandstimmen-Phänomens

Seit der Entdeckung des Tonbandstimmen-Phänomens durch Friedrich Jürgenson im Jahre 1959 ist immer wieder versucht worden, hinter das Geheimnis der Entstehung dieser Stimmen zu kommen. Wie gelangen die Signale letztendlich auf das Band? Werden die Magnetpartikel des Bandmaterials direkt magnetisch beeinflußt? Entsteht das Phänomen durch eine induktive Einwirkung auf den Tonkopf oder auf die empfindliche Elektronik des Aufnahmegerätes? Handelt es sich um ein rein akustisches Phänomen, indem die das Mikrofon direkt umgebende Luft z.B. durch thermische Schwankungen in Schwingung versetzt wird? Oder wirkt eine mechanische Kraft direkt auf die Mikrofon-Membrane? Erfolgt womöglich eine Modulation des "Gravitationsfeldes" in der unmittelbaren Umgebung des Mikrofons? Werden bei 'Radio-Einspielungen' die elektromagnetischen Wellen 'paranormal' moduliert? Oder gelangen die Stimmen als moduliertes HF-Signal über die Antenne in das Empfangsgerät? Einige Theorien gehen sogar dahin, daß gar nicht die Technik, sondern vielmehr die Synapsen des Gehirns des Experimentators paranormal manipuliert werden, so daß sich für diesen bei Eintreffen eines bestimmten akustischen Reizes jedesmal die für ihn bestimmte "Stimme" ergibt. Die letztgenannte Theorie entzieht sich natürlich von vorn herein jeder Untersuchung durch objektive Methoden.

Allen bekannten Einspielmethoden ist gemeinsam, daß immer irgend eine Art von "Rohmaterial" angeboten werden muß, aus dem sich letztendlich die Stimmen "bilden" sollen. Dieses Rohmaterial kann entweder in Form eines Hintergrundgeräusches akustisch übertragen werden, oder es wird erst auf einen geeigneten Träger (Radiowellen, Licht, etc.) aufmoduliert und später wieder demoduliert. In jedem Falle aber muß sich das Frequenzspektrum des Rohmaterials im hörbaren Bereich befinden - entweder schon von vorn herein, oder erst nach Transponieren des Signals in den hörbaren Frequenzbereich. Durch Ausstrahlen eines Signals im Ultraschallbereich etwa wird man kaum direkt hörbare Stimmen erhalten - ebensowenig, wie man z.B. UV-Licht sehen kann.

Psychokinese?

Gerade im Zusammenhang mit Einspielmethoden, bei denen ein akustisches Hintergrundgeräusch als Rohmaterial zur Bildung der Stimmen verwendet wird, wird oft von paranormalen "Umformungen" des Rohmaterials gesprochen. Als Erklärung dieses Vorganges wird gerne der Begriff "Psychokinese" verwendet, d.h. eine naturwissenschaftlich zur Zeit noch nicht erklärbare, psychisch ausgelöste Einwirkung auf materielle Systeme. Allerdings: Solche Einwirkungen konnten bis heute noch in keinem einzigen Fall nachgewiesen werden. Mir ist jedenfalls keine Untersuchung oder Dokumentation bekannt, aus der z.B. hervorgeht, daß ein Rohmaterial auf physikalisch nicht erklärbare Weise verändert wurde. Dies wurde bis jetzt immer nur angenommen.

Auch bei meinen eigenen Versuchen zum Nachweis paranormaler Umformungen bei TBS-Einspielungen konnte ich trotz guter Ergebnisse mit oft sehr bezugnehmenden Stimmen bisher keine objektive Veränderungen des akustisch abgestrahlten Rohmaterials feststellen (siehe hierzu auch den Erfahrungsbericht zur Entstehung der Tonbandstimmen). Als Einspielmethode verwendete ich hierzu die Sprachsynthese-Methode, bei der ein vom Computer fortlaufend ergeugtes Rohmaterial akustisch über Lautsprecher abgestrahlt und über Mikrofon aufgenommen wird. Zur Generierung dieses Rohmaterials werden aus einem zuvor digitalisierten Audio-Sprachsignal von etwa 1 Minute Länge einzelne Segmente von ca. 0,1 Sekunden Dauer wahllos herausgegriffen und nacheinander wiedergegeben. Das wahllose Auswählen der einzelnen Segmente geschieht mit Hilfe von Pseudo-Zufallszahlen, die während der Einspielung erzeugt und gleichzeitig automatisch mitprotokolliert werden. Diese mitprotokollierten Pseudo-Zufallszahlen wurden anschließend dazu verwendet, dieselbe Einspielung unter denselben akustischen Bedingungen noch einmal zu reproduzieren. Zwischen Original- und Kontrolleinspielung ergab sich bisher nie ein Unterschied.

Bei dem verwendeten Pseudo-Zufallszahlen-Generator handelt es sich um nichts anderes als um ein kleines Computerprogramm, das durch komplexe Rechenoperationen einen Zahlenwert ermittelt, der uns nur deswegen zufällig erscheint, weil wir ihn, ohne selbst genau nachzurechnen, nicht direkt vorhersagen können. Trotzdem könnten diese Zahlenwerte vom Computer bei gleichen Startwerten jederzeit exakt reproduziert werden. Es kann als sicher angesehen werden, daß diese Abfolge von Pseudo-Zufallszahlen nicht paranormal beeinflußt werden kann, denn dazu wäre es nötig, Spannungspegel im Computer von 0V auf 5V oder umgekehrt zu ändern, was den Computer mit Sicherheit zum "Absturz" bringen würde. Außerdem wäre dies schon ein makroskopisches PK-Phänomen, das sich dann eindeutig nachweisen ließe. Diesen Gefallen tun uns PK-Phänomene aber erfahrungsgemäß leider nicht; zudem würde dies dem Prinzip der Elusivität (Flüchtigkeit) der PK-Effekte widersprechen, das besagt, daß jeder Versuch, paranormale Effekte "festzunageln", diese automatisch zum Verschwinden bringt.

Wenn weder die Elektronik des Rechners noch das Signal innerhalb der nachfolgenden Aufnahmekette (paranormal) manipuliert wird, wo will man da einen PK-Effekt nachweisen?

Es hat schon viele Bemühungen gegeben, die "Durchbruchstelle" in Form irgend eines elektronischen Bauteils zu finden, an dem sich die vermutete paranormale Einwirkung vollzieht - sie alle scheiterten. Aber man müßte ja noch nicht einmal die exakte "Stelle" finden, an der ein möglicher psychokinetischer Effekt auftritt. Es würde schon genügen, überhaupt erst einmal die Einwirkung selbst zu dokumentieren, indem man z.B. ein akustisches Rohmaterial vor und hinter einer "Blackbox" abgreift und beide Signale miteinander vergleicht. Diese "Blackbox" könnte irgend ein System sein, in dem sich die Stimmen manifestieren sollen, z.B. der Einspielraum, in den ein akustisches Rohmaterial hineingestrahlt wird, das von einem Mikrofon aufgenommen wird, in der Hoffnung, daß es dabei "umgeformt" wird. Aber selbst dieser Nachweis ist bisher noch nicht gelungen bzw. dokumentiert worden. Warum sollte man also die Psychokinese-Theorie weiter aufrechterhalten, wenn sich noch nicht einmal deren Wirkung nachweisen läßt?

Das Kriterium für die Beurteilung der "Paranormalität" einer TBS war - neben der Sinnhaftigkeit und Bezugnahme des gedeuteten Inhaltes - bisher immer quasi die physikalische "Nicht-Nachvollziehbarkeit" ihrer Entstehung gewesen: Die Aufnahme durfte nicht "natürlichen" Ursprungs sein. Käme z.B. heraus, daß es sich bei einer vermeintlichen Stimme um einen fehlgedeuteten fremdsprachigen Text handelt, dann mußte man ihr konsequenterweise den Status "paranormal" absprechen, obwohl sie eigentlich sehr bezugnehmend ist und für den Experimentator eine sinnvolle Bedeutung ergibt.
Um in solchen Fällen dennoch die "Paranormalität" und gleichzeitig die "Umformungs"-Theorie aufrechtzuerhalten, wird gerne zu der Erklärung gegriffen, daß sich das Original-Rohmaterial zwar nicht komplett, aber doch zumindest teilweise (einzelne Konsonanten oder Vokale) "umgeformt" haben könnte. Für die Urheber der Stimmen (die Jenseitigen) sei dies zudem eine energetische Frage, denn hierbei wäre die zur "Umformung" benötigte "Energie" nur sehr gering. Die "Veränderungen" des Rohmaterials seien hierbei so minimal, daß sie jemandem, der die Fremdsprache beherrscht, überhaupt nicht auffallen würden, wenn er nicht gezielt versuchen würde, die "Stimme" zu hören.

Tatsächlich kommt es bei Einspielungen, bei denen als akustisches Rohmaterial ein fremdsprachiger Text per Mikrofon aufgenommen wird, zu Veränderungen. Diese sind allerdings rein technisch bedingt (nichtlineare Verzerrungen, Raumhall etc.) und lassen sich jederzeit reproduzieren - und sind somit nicht paranormal. Allerdings wird durch diese "unscharfe" akustische Übertragung das Erkennen der Stimme durch unser Gehör überhaupt erst ermöglicht (siehe dazu weiter unten: "Das Verstehen undeutlicher Sprachstrukturen").

Alle bisherigen Beobachtungen deuten also darauf hin, daß wir es bei dem TBS-Phänomen nicht - wie bisher angenommen - mit einer direkten paranormalen "Einwirkung" auf physikalische Systeme zu tun haben. Es gibt bis dato keine Hinweise darauf, daß sich das "Rohmaterial" bei TBS-Einspielungen auf geheimnisvolle Weise "verändert". Das einzige, was als gesichert gelten kann, ist die Tatsache, daß sich etwas akustisch Hörbares auf einem Tonträger manifestiert, das von uns als Sprache mit Sinngehalt interpretiert werden kann, und daß dieser sinnvolle Inhalt oft in bemerkenswerter Weise über das durch Zufall zu erwartende Maß hinausgeht, d.h. daß die zu hörenden Antworten manchmal sehr bezugnehmend sind.

Synchronizität

Solange keine konkreten Erkenntnisse zu einer paranormalen Einwirkung auf materielle Systeme vorliegen, stelle ich die Hypothese auf, daß wir es bei dem Tonbandstimmenphänomen mit einer Art "Synchronizität" zu tun haben, also einen quasi-zufälligen Zusammenhang zwischen der Frage des Experimentators (bzw. einem sonstigen Umstand, in dem dieser sich befindet) und dem Zufallsgeräusch, dessen semantische Deutung für eben diesen Experimentator eine sinnvolle Bedeutung ergibt, die auf die Frage bzw. den Umstand bezogen ist. Welche "Mechanismen" bei dieser "Korrelation" eine Rolle spielen, bleibt dabei völlig offen - diese könnten durchaus auch "gesteuert" sein, was die spiritistische Hypothese als eine mögliche Erklärung für die Entstehung des TBS-Phänomens nicht entkräften würde.

Der Begriff "Synchronizität" wurde durch Carl Gustav Jung in Zusammenarbeit mit dem Physiker Wolfgang Pauli geprägt. Synchronizität bezeichnet die sinnvolle Koinzidenz eines objektiven physikalischen Vorgangs mit einem inneren psychischen Ereignis, ohne daß dafür ein offensichtlicher kausal-mechanischer Grund ersichtlich ist. Es handelt sich sozusagen um einen "sinnvollen Zufall". Berühmtestes Beispiel ist C. G. Jungs Skarabäus-Synchronizität (externer Link), bei dem ein Käfer in genau dem Augenblick zum Fenster hereinflog, als eine Patientin von einem Traum erzählte, in dem ein solcher Käfer vorkam. Der Traum handelte von einem goldenen, ägyptischen Skarabäus-Käfer, der in der ägyptischen Mythologie die Wiedergeburt symbolisiert. Dieses synchronistische Ereignis markierte einen Wendepunkt in der Therapie der Frau.

Wer bewußt darauf achtet, wird immer wieder kleinere synchronistische Begebenheiten im täglichen Leben feststellen. Ein simples Beispiel: Man hört irgendwo einen bis dahin unbekannten Begriff, der einem daraufhin gleich mehrmals in einem völlig anderen Zusammenhang wiederbegegnet. Kritiker erklären synchronistische Ereignisse gerne mit selektiver Wahrnehmung. Das überzeugendste Argument zugunsten ihrer Tatsächlichkeit ist jedoch eine jahrtausendealte Überlieferung und - in letzter Instanz das einzig Gültige - die eigene persönliche Erfahrung: Synchronistische Phänomene haben eine numinose Erlsbnisqualität, und die muß man selbst erleben. Das einzige, was hierbei zählt, ist die persönliche Ergriffenheit.

Synchronistische Koinzidenzen treten meist völlig unerwartet und überraschend auf. Bei den TBS hingegen "erhofft" man sich quasi solche Koinzidenzen von Fragestellung und (paranormaler) Antwort.

Hier ein Beispiel, das verdeutlichen soll, welche Bedeutung der Einfluß des "sinnvollen Zufalls" in bezug auf das Stimmenphänomen hat: Als akustisches Rohmaterial für Einspielungen verwende ich ein synthetisch vom Computer erzeugtes Sprachgemisch, das ich im Hintergrund abspielen lasse, während ich bestimmte Fragen stelle. Alles zusammen wird per Mikrofon aufgenommen. Ist nachher beim Abhören aus dem Sprachgemisch eine sinnvolle Antwort zu hören, die sich direkt auf meine Frage oder Bemerkung bezieht, dann werte ich diese Stimme als "paranormal", auch wenn ich - trotz bestimmter Kontrolleinrichtungen - nicht nachweisen kann, daß diese Stimme durch eine "Einwirkung" (z.B. eine sog. "Umformung") entstanden ist.
Was wäre aber nun geschehen, wenn ich dieselbe Einspielung nur eine tausendstel Sekunde später gestartet hätte? Der genaue Zeitpunkt, zu dem ich die Taste drücke, um das Rohmaterial zu starten, ist von mir willentlich überhaupt nicht kontrollierbar. Für den Computer ist eine tausendstel Sekunde aber ein großer Unterschied, denn dann hätte er ein völlig anderes Sprachgemisch erzeugt, und die besagte Stimme wäre nie entstanden! (Dasselbe trifft natürlich auch bei "Radioeinspielungen" zu, bei der man auch spontan eine Senderfrequenz und den Zeitpunkt wählt.)

In dem System "Tonbandstimmen-Einspielung" spielen so viele von uns nicht kontrollierbare Variablen eine Rolle, die alle genau aufeinander abgestimmt sein müssen, damit genau zu diesem Zeitpunkt genau diese Stimme entsteht, die dann auch noch einen Sinn ergibt, der sich genau auf die Frage bezieht! Man könnte auch sagen, daß sämtliche Variablen innerhalb des gesamten Systems auf eine Weise "manipuliert" werden, daß es im Endeffekt zu einer sinnvollen TBS kommt. Dies ist vom rationalen Standpunkt aus gesehen allerdings ziemlich unvorstellbar, denn es sind im wahrsten Sinne des Wortes unendlich viele Variablen.

Mit dem gewohnten analytischen Denken kommt man hier offensichtlich nicht weiter, denn es läßt sich innerhalb der Grenzen von Raum und Zeit kein kausales Prinzip erkennen, das die sinnvollen Korrelationen zwischen den Fragen des Experimentators und den entstandenen Stimmen erklären könnte. Das letztlich ausschlaggebende Kriterium zur Beurteilung einer TBS ist einzig und allein der Sinnzusammenhang, d.h. die Bezugnahme der Stimme auf vorherige (oder sogar nachfolgende!) Fragen oder Aussagen des Experimentators, Bemerkungen zu Umständen, Situationen oder momentanen Gefühlen, Stimmungen, Gedanken oder Problemen, und eben der verstärkte Eindruck, daß es sich nicht um "bloßen Zufall" handeln kann.

Vielleicht sind die Tonbandstimmen - genau wie die schon angesprochenen synchronistischen Erlebnisse im Alltag - hauptsächlich für den betreffenden Experimentator "bedeutungsvoll", während sie möglicherweise von Anderen, die nur die äußeren "Merkmale" der Stimme betrachten, als "Zufall" angesehen werden. Mir persönlich sind synchronistische Ereignisse im täglichen Leben erst aufgefallen, seit ich begonnen habe, mich mit philosophischen, parapsychologischen und spirituellen Fragen auseinanderzusetzen. Etwa zu derselben Zeit stieß ich auch auf das TBS-Phänomen. Gibt es hier vielleicht einen Zusammenhang? Könnte es nicht sein, daß für Phänomene dieser Art eine gewisse "Bereitschaft" erforderlich ist, solche eigentlich "irrationalen" Ereignisse in seinem Weltbild überhaupt erst "zuzulassen"?

Ein "Schwachpunkt" der Synchronizitäts-Theorie ist natürlich, daß sie nicht falsifizierbar und damit nicht überprüfbar ist. Kritiker könnten einwenden, daß diese Hypothese das beste Mittel ist, das Tonbandstimmen-Phänomen gegen jegliche Kritik zu immunisieren, da hierbei die Forderung des Nachweises einer paranormalen, physikalischen Beeinflussung definitionsgemäß entfällt. Es sollte hierbei jedoch bedacht werden, daß die Theorie der Synchronizität lediglich einen Erklärungsversuch darstellt. Er schließt keineswegs aus, daß eine direkte, paranormale Einwirkung auf physikalische Systeme möglich ist. Deshalb halte ich auch nach wie vor die Untersuchung direkter Wirkmechanismen für wichtig und sinnvoll.

Ein Abstecher in die moderne Psi-Forschung

Auch bei Psychokinese-(PK-)Experimenten mit Zufallszahlen läßt sich lediglich eine PK-Korrelation nachweisen; es konnte aber nie eine "PK-Spur" in den Meßdaten gefunden werden. Der Physiker und Psychologe Walter von Lucadou, der sich u.a. mit der Erforschung sogenannter Psi-Phänomene befaßt, stellt dazu fest: "Da wir uns nunmehr durch die gefundenen PK-Korrelationen davon überzeugt haben, daß bei den Zufallsfolgen, die die Versuchspersonen auf ihrem Display beobachten konnten, ein psychokinetischer 'Einfluß' eine Rolle gespielt haben muß, können wir diese Zufallsfolgen, die ja vollständig gespeichert wurden, auf die 'Fingerabdrücke von Psi' hin untersuchen. Das Ergebnis der Spurensuche ist allerdings in einem Satz gesagt: Auch bei den Runs mit den höchsten Trefferraten, also den erfolgreichen PK-Runs, gab es keinen Hinweis auf eine solche Spur! Kein Anzeichen für eine Änderung der Zerfallsrate des radioaktiven Präparats war festzustellen, aber auch kein Anzeichen für ein nichtzufälliges Signal (Tracer) in den Zufallsfolgen. Die Trefferabweichungen dieser Runs können somit nur als reine Zufallsfluktuationen angesehen werden, nicht aber als ein aufgeprägtes Signal." (Walter von Lucadou: Psyche und Chaos, Kap. 11: Keine Spur von Psychokinese, S. 126)

In der PK-Forschung existieren mittlerweile Theorien, die auf dem Prinzip der Synchronizität aufbauen. Statt "Synchronizität" wird hier allerdings der Begriff "Nichtlokale Korrelation" verwendet, der zwar einen etwas systematischeren und physikalischeren "Touch" hat, aber im Prinzip dasselbe bedeutet, nämlich eine (scheinbare) Wechselbeziehung zweier Ereignisse oder Meßergebnisse, die in keinem erkennbaren kausalen Zusammenhang zueinander stehen. Bei Psychokinese-Versuchen wurde beispielsweise festgestellt, daß Zufallsfolgen durch bloßes "Wünschen" von Versuchspersonen statistisch signifikant "beeinflußt" werden können. Dies funktioniert sogar dann, wenn diese Zufallsfolgen vorher aufgezeichnet werden (Pre-recorded Targets).

Lucadou hat dazu eine Theorie entwickelt, die er das "Modell der pragmatischen Information" (MPI) nennt. Demnach handelt es sich bei Psi-Effekten "nur" um nichtlokale Korrelationen zwischen psychischem Zustand der Versuchsperson und dem physikalischem System. Dieses Modell verbietet Systemen aus Beobachter und Umwelt ohne physikalische Signalverbindung die Übertragung von Meßdaten (Shannon-Information) und erlaubt nur die Übertragung von "Bedeutung" (pragmatischer Information). In der Praxis wird davon ausgegangen, daß bei Psi-Effekten gerade soviel Shannon-Information übertragen wird, daß die Gesetze der Statistik nicht verletzt werden: Statistisch mögliche Fluktuationen treten "zufällig" gerade dann auf, wenn sie mit inneren Prozessen des Bewußtseins korrelieren. Beispiel: Wenn "zufällig" die Uhr stehenbleibt, dann ist dies an und für sich kein anomales Ereignis und braucht nichts mit PK zu tun haben. Stirbt aber z.B. zur selben Zeit ein Familienangehöriger, dann hat das Stehenbleiben der Uhr durchaus eine pragmatische Bedeutung. Obschon es sich auch ein ganz normales, zufälliges Ereignis handeln kann (z.B. eine leergewordene Batterie), ist doch der Zeitpunkt, zu dem diese zufällige Fluktuation auftritt, bedeutend; somit ist hier im Rahmen des statistisch möglichen (= keine Shannon-Information) pragmatische Information übertragen worden.

Das Modell der pragmatischen Information läßt sich, zumindest teilweise, auch auf das Tonbandstimmen-Phänomen anwenden. Auch hier entsteht die pragmatische Information erst durch die sinnvolle Korrelation zwischen der Frage des Experimentators und der in einem zufälligen "Rohmaterial" enthaltenen Antwort. Das Rohmaterial für sich alleine genommen hätte ohne den Bezug zur Frage des Experimentators keinerlei Bedeutung. Sowohl bei den PK-Experimenten als auch bei den Tonbandstimmen sind also die Korrelationen eindeutig vorhanden - für jeden nachvollziehbar - aber es gibt bisher keinen physikalischen Nachweis einer direkten, kausalen Einwirkung. Betrachtet man das Datenmaterial "an sich", findet man keine Anzeichen eines direkten, paranormalen Einflusses - keine "Spur" - nichts, was vom Normalzustand abweicht. Das eigentliche Phänomen besteht ausschließlich in der unmittelbaren "Bezugnahme" von Frage des Experimentators und TBS.

Eine interessante Parallele zu den PK-Versuchen mit vorher aufgezeichneten Zufallsfolgen (Pre-recorded Targets) läßt sich übrigens auch manchmal beim TBS-Phänomen beobachten, wenn nämlich beim Abhören des Bandes eine Stimme zu hören ist, die sich auf eine unmittelbar zuvor (also während des Abhörens, d.h. nach der eigentlichen Einspielung!) geäußerte Bemerkung oder gedachte Frage des Experimentators bezieht. Dies deutet erst recht darauf hin, daß die Ursachen einer solchen "Korrelation" außerhalb des uns vertrauten Raum-Zeit-Gefüges zu suchen sind.

Das MPI läßt allerdings, genau wie die Synchronizitäts-Theorie, die Frage offen, was nun tatsächlich genau womit korreliert. Ist es eine Korrelation der Psyche des Experimentators mit dem physikalischen System, oder ist die Psyche bzw. das Bewußtsein des Experimentators lediglich ein (wichtiges) Element im Gesamtsystem? Drittvariablen (die ja z.B. durch die spiritistische Hypothese repräsentiert sind) sind so nicht auszuschließen. Während es bei den PK-Experimenten lediglich darauf ankommt, eine zufällige Anzeige in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen, werden beim TBS-Phänomen ja ganz konkrete Informationen "übermittelt", die sich oftmals der Kenntnis des Experimentators entziehen.

Das Problem der Objektivierung

Eine Objektivierung des phonetischen Inhaltes von Stimmenbeispielen hat sich bei Versuchen als sehr schwierig, eigentlich unmöglich, erwiesen. Über die Mailingliste des VTF wurden Beispiele von Tonbandstimmen als WAV-Dateien ins Internet gestellt und unabhängig voneinander durch mehrere Personen abgehört. Das Ergebnis war, daß in so gut wie allen Fällen jeder etwas anderes hörte, das mit der Deutung des Experimentators (desjenigen, der die jewilige Stimme eingespielt und zur Verfügung gestellt hat) nicht übereinstimmte. Daraus ergibt sich u.a. die Frage, ob es möglich ist, das Abhören von Tonbandstimmen mit Hilfe bestimmter Methoden oder Hilfsmittel zu "objektivieren", um so zu verbindlicheren Aussagen über die Deutung zu kommen.

Schon bei "normalen" Stimmen ist es nicht immer möglich, "objektiv" zu hören, wenn der betreffende Ausschnitt nur kurz genug ist. Dies als Argument gegen die Einwände möglicher Skeptiker zu benutzen, die sagen, "Ihr hört ja nur, was ihr wollt", könnte allerdings genauso gut 'nach hinten losgehen', denn dies würde ja das gesamte Verfahren des Abhörens undeutlicher Sprachstrukturen betreffen, egal ob es sich um "normale" oder "paranormale" Stimmen handelt. Die Feststellung, daß es auch bei normalen Stimmen nicht möglich ist, objektiv zu hören, sagt für sich alleine in bezug auf das Phänomen Tonbandstimmen überhaupt nichts aus. Um das Tonbandstimmen-Phänomen anzugehen, darf man nicht einzelne Aspekte vollkommen isoliert betrachten, z.B. ausschließlich die "objektive" Verstehbarkeit eines aus dem Zusammenhang herausgerissenen Ton-Beispiels, denn dann löst sich das Phänomen in Wohlgefallen auf. Es muß daher für eine Beurteilung, sofern dies überhaupt von anderen Personen als dem Einspieler der betreffenden Stimmen vorgenommen werden kann, immer auch der Gesamtzusammenhang der Einspielung betrachtet werden.


Das menschliche Gehör

Der menschliche Hörvorgang ist ein äußerst komplexer und höchst individueller Prozeß. Vor der semantischen Analyse eines Sprachsignals (d.h. seiner inhaltlichen Deutung) erfolgt erst die phonetische Analyse (Lautanalyse). Letztere zerlegt das Signal in einzelne Phoneme (Vokale, Diphtongs, Konsonanten etc.), während erst die semantische Analyse versucht, einen Sinnzusammenhang (Verknüpfung mit gelernten Be-deutungen) in der wahrgenommenen Lautfolge zu erkennen.

Allerdings ist beim menschlichen Gehör selbst schon die phonetische Analyse, bei der noch keine Interpretation des Signals erfolgt, individuell höchst unterschiedlich: Vorgeprägt durch den Dialekt der Muttersprache muß z.B. der Vokal "o" nicht für jeden Menschen wie ein "o" klingen, sondern für manche vielleicht eher wie "a". Eine Formanten-Analyse mittels Spektogramm würde zwar vielleicht eindeutig ein "o" ergeben, weil diese Analyseverfahren vermutlich auf reines Hochdeutsch geeicht sind; trotzdem ist schon auf dieser 'niedrigen' (phonetischen) Ebene der Sprachanalyse keine für alle Menschen einheitliche 'Objektivierung' möglich.

Selbst wenn man noch einen Analyseschritt weiter zurück gehen würde und würde die Signale der Gehörnerven abnehmen und aufzeichnen, dann würde man - bedingt durch die Anatomie des Außen- und Innenohres, altersbedingtem Frequenzgang etc. - höchstwahrscheinlich sehr unterschiedliche Signale messen. Für die maschinelle Sprachanalyse werden dagegen i.d.R. hochwertige, meist standardisierte Mikrofone verwendet. Beim Menschen gibt es dagegen keine verbindlichen "Normen". Es gibt nichts Objektives, sondern letztlich nur Subjektives. Alles erhält eine "be-Deutung" nur im Zusammenhang mit einem (individuell) interpretierenden Bewußtsein.

Eine Objektivierung von Tonbandstimmen wird daher sicherlich weniger in bezug auf die Semantik bzw. die Interpretation der Bedeutung möglich sein. Doch auch die phonetische Analyse wird nie ganz eindeutig sein können. Selbst moderne Spracheingabeprogramme haben trotz ausgeklügelter Algorithmen erhebliche Probleme, einen Text trotz verhältnismäßig klarer Aussprache eindeutig zu "verstehen". Deshalb erfordern sie auch immer eine längere Trainingsphase, in der der künftige Benutzer vorgegebene Wörter nachsprechen muß, damit sich die Software an die individuelle Aussprache des Benutzers 'gewöhnen' kann. (Hat dieser allerdings schon eine Erkältung und somit einen anderen Klang der Stimme, ist es auch schon wieder vorbei mit der Gewöhnung).

Allein diese kurze Skizzierung möglicher Probleme verdeutlicht, wie komplex das Thema "Verstehen von Sprache" ist, und wie leistungsfähig das menschliche Gehirn ist, wenn es mühelos ohne vorherige Lernphase Sprache in den unterschiedlichsten Dialekten, Tonhöhen, Sprechgeschwindigkeiten etc. verstehen kann. Aber eben diese Anpassungsfähigkeit des Gehirns macht eine Objektivierung der Sprache so schwierig.

Das Verstehen undeutlicher Sprachstrukturen

Speziell bei den Tonbandstimmen wird eine Objektivierung des phonetischen Inhaltes noch dadurch erschwert, daß die Einspielungen meist sehr undeutlich und von schlechter Tonqualität sind. In einigen Fällen kann ein Nachbearbeiten dieser Stimmenbeispiele durch Filtern oder Entrauschen hier Verbesserungen bringen. Nicht selten wird aber durch solche "Verbesserungen" der Signalqualität die eigentliche Stimme zerstört. Andererseits stellt sich natürlich die Frage, warum die Stimmen denn nicht eigentlich schon von vorn herein klar und deutlich wie z.B. ein Radiosprecher sein können. Offenbar kann zur Übermittlung einer bestimmten "Bedeutung" (pragmatische Information) systembedingt nur eine maximale Menge an Signalen (Shannon-Information) "übertragen" werden.

Wie bereits erwähnt, habe ich bei meinen bisherigen Versuchen, durch einen direkten Vergleich der über Mikrofon aufgenommenen Einspielung mit dem Rohmaterial mögliche paranormale "Umformungen" nachzuweisen, nie eine Veränderung des Rohmaterials feststellen können, die nicht technisch erklärbar gewesen wäre. Natürlich klang die Einspielung aufgrund des durch die akustische Übertragung hinzukommenden Diffusschalls wesentlich undeutlicher als das Original-Rohmaterial. Hinzu kam noch, daß als Mikrofon ein Piezo-Hoch-/Mittelton-Lautsprecher verwendet wurde, der das Signal durch die extreme Bevorzugung der Frequenzen um 2 kHz stark verfremdete. Einzelne Vokale und vor allem die Konsonanten konnten dadurch nicht mehr ganz eindeutig identifiziert werden, doch es war trotzdem immer noch dasselbe Signal.

Das Paradoxe ist nun, daß die paranormale (weil bezugnehmenden) Stimme meist nur in der undeutlicheren Einspielung zu hören ist, während sie im Original-Rohmaterial einfach zu "deutlich" ist, um noch als "Stimme" erkannt zu werden. Zwar ist in dem Rohmaterial ebenfalls der Sprachrhythmus der Stimme zu erkennen, aber kleinere Unstimmigkeiten - vor allem bei den Konsonanten - fallen sofort auf und lassen keinen großen Spielraum für Variationen. Erst durch das "Verwischen" der Feinheiten bei der akustischen Übertragung wird die Stimme als solche hörbar. Dadurch, daß die Bedeutung des (undeutlicheren) Signals nicht in einem so hohen Maße festgelegt ist, kann unser Gehirn die "fehlende" Information mittels Interpolation ergänzen und so die Bedeutung der Stimme erkennen.

Dieser Vorgang kann auch sehr schön visuell veranschaulicht werden: Nehmen wir an, wir wollten jemandem ein Bild übermitteln, hätten dafür aber systembedingt nur 20 x 25 Bildpunkte zur Verfügung. Das Ergebnis wäre ein sehr grob gerastertes Bild, auf dem bei genauer Fixierung aus geringer Entfernung lediglich ein unregelmäßiges Muster von Kästchen in verschiedenen Grautönen zu sehen ist - viele Meßdaten (Shannon-Information) ohne erkennbare Bedeutung (pragmatische Information):

Mosaikbild (20 x 25 Punkte)
Grafik anklicken, um das Original-Bild zu sehen

Verringert man nun die optische Auflösung der Augen durch Unscharfstellen des Blickes oder durch Vergrößern des Abstandes zum Bild auf mehrere Meter, dann dreht sich das Verhältnis um: Die exakten Meßdaten (die Shannon-Information) in Form der einzelnen Bildpunkte gehen verloren und man erkennt - wenn auch verschwommen - die pragmatische Information in Form des Portraits von Friedrich Jürgenson.

Das folgende Diagramm soll den Zusammenhang zwischen Auflösung und Bedeutungsinformation noch einmal verdeutlichen:

Diagramm: Zusammenhang zwischen Auflösung und Bedeutungsinformation

Ist die Auflösung nur sehr gering, dann wird auch keine Bedeutungsinformation übermittelt. Dies wäre äquivalent dazu, daß wir unsere Sehschärfe so gering einstellen würden, bis wir nur noch einen verschwommenen, grauen Fleck erkennen könnten. Bei maximaler Auflösung wird ebenfalls keine Bedeutungsinformation übermittelt. In unserem Beispiel würden wir lediglich die grauen Kästchen sehen. Erst bei einem optimalen Mittelwert der Auflösung wird ein Maximum an Bedeutungsinformation übermittelt.

Auf das TBS-Phänomen übertragen hieße das, daß die paranormalen Stimmen erst bei einem optimalen Grad an Undeutlichkeit (und somit leider auch Mehrdeutigkeit) der Aufnahme hörbar werden, was durch die oft schlechten Übertragungseigenschaften der Aufnahmekette (Raumhall, Rauschen, nichtlineare Verzerrungen etc.) erreicht wird. Die zu übermittelnde Bedeutungsinformation selbst ist bereits latent im Rohmaterial vorhanden. Wäre die Aufnahme zu deutlich, dann würden störende Details des Original-Rohmaterials zu stark in den Vordergrund treten und von der eigentlichen paranormalen Information ablenken. Außer einigen unpassenden Vokalen und Konsonanten könnten wir dann nicht viel erkennen. Wäre die Aufnahme dagegen zu undeutlich, dann ginge die paranormale Information sozusagen im Rauschen unter und wir könnten nur undifferenzierte Geräusche hören.

Auch beim Stimmenphänomen scheint also für eine maximale Übermittlung der Bedeutungsinformation ein optimaler Grad der akustischen Auflösung erforderlich zu sein. Dies ist sicher auch der Grund dafür, daß manche Stimmen durch gutgemeintes Filtern zerstört werden können.

Quellen


* * *

Anmerkungen des Herausgebers

Kompliment! Das ist eine glänzende und wissenschaftlich fundierte Analyse!

Was mich veranlaßt, hier einige Anmerkungen zu machen, das ist der Unterschied in den Schlußfolgerungen, der darauf beruht, daß man von verschiedenem Erfahrungs-(Stimmen-)Material ausgeht. Wenn davon gesprochen wird, daß Stimmen zwangsläufig undeutlich seien, so kann ich das nicht bestätigen. Allein durch das Repetieren und das Abhörenlassen durch mehrere erfahrene Einspieler ergibt sich bei einer großen Zahl von Stimmen eine exakte Deutung, die von allen Teilnehmern akzeptiert wird.

Daß es doch echte nachweisbare »Umformungen« gibt, kann man an einem handfesten Beispiel dokumentieren: In einer Einspielung, in der ich Raudive angesprochen und ihn gefragt hatte, ob er Freunde aus seiner Lebenszeit getroffen hätte und u.a. den Namen Gebhard Frei erwähnte, kam auf Band unmittelbar der Name FREI. Auf der verwendeten Konserve war aber statt des Einsilbers FREI nur das dreisilbige EN-NE-BE zu hören. Es handelt sich hier also um eine eindeutige und nachprüfbare Umformung. Bei wiederholtem Abstrahlen des Rohmaterials kam immer wieder nur EN-NE-BE zustande.

Ein anderes Beispiel erfordert mehr Erklärungsaufwand, zeigt aber auch, daß es Umformungen gibt. Es wurde bereits in der VTF-Post vom 1.10.1996 veröffentlicht:


Raudives Klage

Am 23.3.1975 machte ich eine Psychophon-Einspielung und sprach Konstantin Raudive an. Neben vielen anderen Reaktionen auf diesem Band entdeckte ich eine sehr laute klagend gesprochene Stimme: "Ich hab' so gehungert!" Sie kam unmittelbar nachdem ich gefragt hatte: 'Hat das, was du jetzt drüben machst, etwas mit deinen Tonbandexperimenten zu tun?' Eine merkwürdige Antwort auf diese Frage! Hier wurde ganz eindeutig nicht auf meine Frage eingegangen. Ich war bereit, diese Stimme zu vergessen und unter den Tisch fallen zu lassen. Aber sie war doch so laut, und so eindringlich! Ich nahm sie mit vielen anderen Beispielen in eine spezielle Cassette auf, die nur Stimmen enthielt, welche etwas mit Raudive zu tun hatten.

Einige Zeit später erhielt ich den Besuch eines Deutsch-Ungarn, der mir sagte, daß es sich bei dem von mir bezeichneten Text um klares Ungarisch handele. Er könne keine Veränderung des Ungarischen erkennen, wie ich es vemutet hatte, um dadurch eine deutsche Mitteilung zu erzeugen. Ich hatte gedacht, es wäre eine Umformung aus Ungarisch gewesen. Damals war ich noch überstreng in der Beurteilung von Umformungen insofern, als ich meinte, erst dann, wenn ein Landsmann der umgeformten Sprache (also hier ein Ungar) etwas an dem Text zu beanstanden hat, wenn er also sagt, das ist nicht mehr ganz sauber meine Sprache, erst dann wollte ich eine Umformung akzeptieren. Jetzt war dieses Beispiel für mich wirklich gestorben!

Kurz vor ihrem Tod besuchte ich die Witwe von Raudive, Zenta Maurina, in Bad Krozingen. Ich führte ihr die erwähnte Raudive-Cassette vor und wollte die hier in Rede stehende Stimme schnell übergehen, ließ sie aber mit durchlaufen. Ausgerechnet bei dieser Stimme war Zenta Maurina elektrisiert. 'Das ist doch Kostes Lebensproblem gewesen, der Hunger!' rief sie erregt aus. Nun rückte die Stimme wieder eins rauf! Kurze Zeit später erschien dann im Bläschke-Verlag, Darmstadt, ein Sammelband mit Erzählungen von Konstantin Raudive, der auch ein begabter Schriftsteller war. Der Buchtitel lautet: 'Lebenshunger'! In der Einleitung schreibt Zenta Maurina: Der Inhalt: Hunger nach Brot, Hunger nach Wissen, Hunger nach dem Geschlechtspartner nach dem verstehenden Du, Hunger nach Unsterblichkeit.'

Wenn wir also die Stimme doch ernstnehmen und für echt halten wollen, dann könnte es sich bei ihr um einen Gefühlsausbruch handeln, der sich durchsetzt bei nächstbester Gelegenheit ohne darauf zu achten, was eigentlich das Thema war. Ich hatte ihn mit meiner Frage an sein Leben hier auf der Erde erinnert, und er konnte nicht anders, als sein hier pertnanentes Leid herauszuschreien.

Da blieb aber immer noch das Problem: Das ist unverfälschtes Ungarisch! Der Zufall wollte es, daß in einem einer Volkshochschulkurse über die Tonbandstimmenforschung eine ungarische Studentin saß, die gut Deutsch konnte. Ich ließ sie die Stimme abhören und sie sagte spontan: 'Das ist reines Ungarisch und heißt "Eesch o Sowjetunio", was in Deutsch bedeutet "Und auch die Sowjetunion"'. Ich ließ jetzt aber nicht locker und bat sie zu vergessen, daß sie Ungarin sei, sondern die Stimme als Deutsche zu hören. Da mußte sie bekennen: 'Ja, das heißt wirklich "Ich hab' so gehungert"!' Nun, wandte ich ein, es kann doch nur eines stimmen, denn in dem deutschen Satz sind Konsonanten enthalten (h, b, ng), die der ungarische Satz nicht enthält. Das räumte sie ein. Wir konnten also feststellen, daß der ungarische Satz mit ganz geringem Aufwand (Einfügen von wenigen Konsonanten) verändert worden war daß diese Veränderung aber von einem Ungar glatt überhört wird, der nur die gewohnten Wortbilder aufnimmt. Ich ließ dann sie und einen ungarisch sprechenden Herrn den ungarischen Satz aufs Band sprechen, und wir versuchten mit aller Kraft "Ich hab' so gehungert" hineinzuhören. Das gelang niemandem. Somit hatten wir noch einen weiteren Beweis gefunden für die Paranormalität der Stimme.

Jetzt konnte ich sie endlich mit gutem Gewissen jedermann vorführen!

Der Autor behandelt in seiner Analyse die »Umformungen« und die Frage, wie man deren Paranormalität nachweise könnte. Schwieriger wird das ganze Problem, wenn es sich um "originäre Stimmen" handelt, die ohne erkennbares Rohmaterial entstanden sind. Dazu gehören alle Mikrofonstimmen und Radiostimmen, wie sie etwa bei Jürgenson ausschließlich vorkamen. Wir werden also noch eine gehörige Portion Scharfsinn benötigen, um auch hierfür geeignete Maßstäbe zu erarbeiten. Ich bin aber sicher, daß uns das gelingt. - Aber auch, wenn nicht, dann wäre es nicht weiter schlimm, denn es würde genügen, mit nur irgendeiner Methode die Paranormalität nachzuweisen.


(Quelle: VTF-Post P 93, Heft 4/98)