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Die Wassermethode

Mit einigen technischen Abwandlungen lassen sich mit der altbekannten Wassermethode recht gute Resultate erzielen. Die Kölner Gruppe experimentiert hauptsächlich mit dieser Methode und demonstriert sie bei öffentlichen Einspielungen. Das akustische Rohmaterial, Wasserplätschern, wird mit Hilfe einer kleinen (Zimmer- oder Garten-)Springbrunnenpumpe erzeugt (erhältlich z.B. in Baumärkten oder Zoo-Fachgeschäften). Die Pumpe befindet sich in einer mit etwas Wasser gefüllten, großen Milchkanne, die als Resonanzkörper dient. Dadurch erhalten die Stimmen "Farbe". Die Pumpe wird zusätzlich durch einen Intervallschalter im Abstand von jeweils ca. vier Sekunden ein- und ausgeschaltet. Die so durch den ständigen Auf- und Abbau der Fontäne erzeugte Dynamik fördert die Stimmenbildung wesentlich und die Stimmen lassen sich nachher beim Abhören leichter lokalisieren.

Diese gesamte "Plätschereinrichtung" steht in einem Nebenraum, der vom eigentlichen Einspielraum, in dem auch die Aufzeichnungsanlage steht, durch eine Schiebetür abgeteilt ist. Durch Öffnen oder Schließen der Tür läßt sich die Lautstärke des Rohmaterials regulieren und frequenzmäßig zu hohes Plätschern dämpfen.

Aufgenommen wird dieses Rohmaterial über einen Piezolautsprecher, der, als Mikrofon "mißbraucht", gegenüber "richtigen" Mikrofonen für unsere Zwecke wesentlich bessere Eigenschaften hat: Sein Frequenzbereich liegt im Sprachbereich (500 ... 4000 Hz), und seine Empfindlichkeit ist um ein Vielfaches höher als bei jedem handelsüblichen Mikrofon; daher rauscht er praktisch nicht. Anschließend folgt ein Vorverstärker, der zwecks Vermeidung von Brummstörungen Differenzeingänge hat.

Bis hierher ist alles Bastelei. Hinter dem Vorverstärker folgen nur noch handelsübliche Geräte wie Hallgerät, Equalizer, Tape-Deck und Aktiv-Lautsprecher. Für experimentierfreudige Kollegen folgt nun eine genaue Beschreibung der Anlage mit Schaltbildern.

Intervallschalter für Pumpe

Hier eignet sich z.B. der bei Conrad Electronic (externer Link) für DM 18,95 als Bausatz erhältliche Präzisions-Intervallschalter mit der Best-Nr. 191299-62. Benötigt wird zusätzlich ein Netzgerät mit 11-15 V Ausgangsspannung sowie ein passendes Gehäuse. Alternativ zum Bausatz kann der Intervallschalter auch z.B. nach folgender Schaltung selbst aufgebaut werden:

Abb.: Schaltbild des Intervallschalters

Die einfachste Lösung anstelle eines Intervallschalters ist ein Fernschalter zum manuellen Unterbrechen der Stromzufuhr der Pumpe. Dieser kann sehr einfach aus einem Verlängerungskabel und einem sog. Schnur-Zwischenschalter hergestellt werden.

Piezolautsprecher

Als Mikrofon-Ersatz eignet sich z.B. der Piezo-Mittel-Hochtöner PHM 8.19 von Motorola, der z.B. bei Conrad Electronic (externer Link) unter der Best-Nr. 335843-62 für DM 29,95 erhältlich ist. Um die mechanische Übertragung von Geräuschen, etwa Laufgeräuschen des Recorders, zu verhindern, sollte der Piezo-Lautsprecher in ausreichendem Abstand zur Aufzeichnungsanlage positioniert werden. Der Anschluß an den Vorverstärker erfolgt symmetrisch mittels eines etwa 2 m langen, abgeschirmten Stereo-NF-Kabels, wobei nur die beiden Innenleiter an die entsprechenden Anschlüsse des Piezos gelötet werden (die Abschirmung wird Piezo-seitig nicht verwendet!). Am anderen Ende des Stereo-Kabels werden geeignete Stecker angebracht, z.B. zwei Mono- oder ein Stereo-Klinkenstecker, zwei Cinch-Stecker oder auch ein DIN-Stecker für den Eingang des Vorverstärkers. Erst hier dürfen die Abschirmungen beider Einzelleitungen miteinander verbunden werden.

Abb.: Foto des Piezo-Lautsprechers

Abb.: Anschluß des NF-Kabels an den Piezo-Lautsprecher

Vorverstärker mit Differenzeingängen

Der Differenzverstärker besteht aus einem Operationsverstärker-IC mit getrennter Verstärkungseinstellung für den invertierenden und den nichtinvertierenden Eingang. Gleichphasig anliegende Brummstörungen durch Netzeinstreuungen in die hochohmige Zuleitung des Piezolautsprechers heben sich gegenseitig auf, während das gegenphasig anliegende Nutzsignal weiterverstärkt wird. Mit dem Potentiometer P1 läßt sich die Verstärkung von 0...100-fach einstellen. P2 (Balance) sollte immer in ungefähr der gleichen Stellung wie P1 stehen. Genauer ist es, über Kopfhörer zu hören, bei welcher Stellung von P2 das evtl. Netzbrummen verschwindet und der Klang am saubersten ist. Bei jeder Änderung der Verstärkung mit P1 muß auch die Balance mit P2 nachgestellt werden!

Abb.: Anschluß des Differenzverstärkers

Das Gerät benötigt eine symmetrische Stromversorgung. Aus ökologischen sowie auch aus ökonomischen Gründen empfiehlt sich die Verwendung von Akkus statt Batterien.

Zusammenschaltung der Anlage

Die Zusammenschaltung der einzelnen Komponenten für Einspielungen nach der Wassermethode wird in folgendem Schaubild noch einmal zusammenfassend dargestellt.

Abb.: Zusammenschaltung der Anlage

Hallgerät und Equalizer sind optional, haben sich aber in der Praxis bewährt.

Die mit dieser Methode erhaltenen Stimmen sind, wenn welche auftreten, oft erstaunlich gut artikuliert und haben einen ganz typischen Klang, der manchmal an einen sprechenden Wellensittich erinnert.


(Quelle: VTF-Post P 54, Heft 1/89)