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EVPmaker mit SpeakJet-Allophonen

Synthetische Laute als Ausgangsdatei zur Rohmaterial-Erzeugung für Tonbandstimmen

Frank Sumption, der mit zufallsgewobbelten Radios experimentiert (inzwischen bekannt geworden unter der Bezeichnung "Frank's Box"), entwickelt derzeit eine Art "Hardware-EVP­maker" auf Basis des SpeakJet-Sprachsynthese-Chips. Dieser Chip enthält 72 englische Allophone sowie einige Soundeffekte und einen Controller. Durch Ansteuerung über eine serielle Schnittstelle können diese Allophone zu beliebigen Wörtern und Sätzen zusammengesetzt werden. Die Steuereinheit auf dem Chip sorgt durch einen mathematischen Algorithmus dafür, daß sich zwischen diesen Allophonen natürliche, fließende Übergänge ergeben, damit die synthetische Sprache nicht so abgehackt klingt. Frank macht nun nichts anderes als den seriellen Port mit Zufallsimpulsen zu versorgen, wodurch der Chip dann ein Kauderwelsch aus allen möglichen Lauten erzeugt. Allerdings klingt dies noch nicht sehr zufällig, denn es wird ja nicht das definierte Schnittstellenprotokoll verwendet. Auch ertönt bei bestimmten Signalen immer das Wort "Ready". Daher denkt Frank an die Verwendung eines PIC oder der Basic Stamp zur Ansteuerung.

Der SpeakJet hat auch einen Demo-Modus, in dem er alle vorhandenen Laute endlos hintereinander abspielt:

Play SpeakJet-Demo-Modus

In der YahooGroup EVP-ITC, wo Frank über seine Versuche mit dem SpeakJet-Chip berichtet, hatte nun kürzlich jemand die Frage gestellt, ob es möglich ist, mit Hilfe eines Zufallsgenerators gesprochene Buchstaben auszugeben. Das erinnerte mich an meine damaligen Versuche mit dem Programm Audio-Ed und später EVPmaker, selbstgesprochene Phoneme per Zufall wiederzugeben, was hinsichtlich TBS jedoch keine guten Erfolge brachte. Trotzdem machte ich mir mal den Spaß, die Allophone des SpeakJet mit dem EVPmaker wiederzugeben. Dazu erstellte ich mit Audition für jedes der 72 Allophone eine Cue (dabei achtete ich auf die Nulldurchgänge, um Knackser bei der Wiedergabe zu vermeiden) und speicherte das Ganze in einer WAV-Datei ab:

Play SpeakJet-Allophone mit eingebetteter Cue-List (rechtsklicken zum Herunterladen!)

Diese Datei nahm ich dann als Quelldatei für EVPmaker und machte mit der internen "EVP Session"-Funktion einige Aufnahmen, wobei ich die Option "Use Cue List" verwendete, damit die in der WAV-Datei als Cues angelegten Allophone zufallsgesteuert abgespielt wurden. In den meisten Fällen kam dabei wirklich nur unverständliches Kauderwelsch heraus, aber in einer Session kam direkt zu Beginn eine Sequenz, die man folgendermaßen verstehen kann:

Play "I little sir help you with it." ("Ich kleiner Herr helfe dir damit.")

Anstelle von "with it" verstand ich zuerst "eclipse", was phonetisch auch hinkommen könnte, aber eine Teilnehmerin in der o.g. Yahoo-Group, in der ich die Allophon-Datei und das Beispiel vorführte, verstand statt dessen "with it" (was ja auch mehr Sinn ergeben würde).

Einige Teilnehmer der Group haben daraufhin meine Anregung aufgegriffen und selbst mit dieser Methode experimentiert und dabei durchaus einige interessante Ergebnisse erzielt. Dabei sind teilweise sogar Antworten direkt während der Aufnahme zu hören gewesen – also sozusagen eine direkte Zweiwege-Kommunika­tion, wenn man so will. Hier einige interessante Beispiele verschiedener Teilnehmer:

Beispiele von Steve Hultay:

Play "I often help you – I do." ("Ich helfe dir oft – das tue ich.")

Play "He fights with us – Ed." ("Er kämpft mit uns – Ed.")

Beispiel von Dave M.:

Play "Oooooh yes!" ("Oooooh ja!")

Beispiele von Margaret Downey:

Play "I'm at the talk therapy group. Yes, I'm here. How can I do you for? Let's talk for a moment." ("Ich bin bei der Sprechtherapie-Gruppe. Ja, ich bin hier. Wie kann ich tun dich für? Laßt uns einen Moment lang sprechen.")

Play "I am here for you." ("Ich bin hier für dich.") – Dies kam als Antwort und Bestätigung auf Margrets Nachfrage "Sagtest Du ich bin hier?"

Play "A recorder." ("Ein Rekorder.") – Kam als direkte Antwort auf Margrets Aufforderung, einen Gegenstand auf ihrem Schreibtisch zu benennen. Die Antwort stimmte, es handelte sich um einen Digitalrekorder Sony B26.

Play "A light that will help hear." ("Ein Licht, das helfen wird zu hören.") – Kam als direkte Antwort auf Margrets Frage, was sie gerade in ihrer Hand hält; es handelte sich um eine Kombination aus Radio und Taschenlampe, das sie für Wobbeleinspielungen verwendet.

Als nächstes eine längere Unterhaltung mit der Wesenheit "Arthur", wobei es sich um einen Zusammenschnitt aus mehreren einzelnen, kurzen Einspielungen von jeweils ca. 20 Sekunden handelt. In dem folgenden Protokoll steht "M" für Margaret und "A" für Arthur.

Play Unterhaltung mit Arthur

M: "Can you say A B C?" ("Kannst du A B C sagen?")

A: "A B C D E" (diese Antwort geht etwas im Hauptgeräusch unter).

M: "How about Tom Butler?" ("Was ist mit Tom Butler?")

A: "Tom Butler."

M: "Do you know the name of either of Tom Butler's cats?" ("Kennst du den Namen einer von Tom Butlers Katzen?")

A: "(Sh)asta's their cat." ("(Sh)asta ist ihre Katze." – Das trifft übrigens zu.)

M: "Do you have any pets?" ("Hast du Tiere?")

A: "I have a pet." ("Ich habe ein Haustier.")

M: "I heard you say I have a...?" ("Ich habe verstanden: Ich habe ein ...")

A: "Pet." ("Haustier.")

M: "You have a what?" ("Du hast ein was?")

A: "Pet." ("Haustier.")

M: "What kind of pet do you have?" ("Was für eine Art von Haustier hast du?")

A: "An animal." ("Ein Tier.")

(Anm. M: Lach, wer dumm fragt, bekommt eben auch dumme Antworten!)

M: "I understand you have a pet animal, but what is the species?" ("Ich verstehe, du hast ein Haustier, aber welche Spezies?")

A: "A purple deer." ("Ein lila Reh.")

M: "OK, I could have sworn you said you have a purple deer." ("OK, ich hätte schwören können, daß du gesagt hast, du hast ein lila Reh.")

A: "I told you purple deer." ("Ich sagte dir lila Reh.")

M: "OK, I'm gonna close for the evening. Can you tell me goodbye?" ("OK, ich werde für heute abend schließen. Kannst du mir auf Wiedersehen sagen?")

A: "I love you." ("Ich liebe dich")

M: "I heard you say I love you. Love you too." ("Ich habe dich sagen hören: Ich liebe dich. Liebe dich auch.")

A: "Thank you." ("Danke dir.")

Beispiele von Bruce Halliday:

Play "They are all here." ("Sie sind alle hier.") – Kam als Antwort auf die Frage an Lisa, ob sie bei ihm sei und versuchen würde, diese Methode zu benutzen.

Play "Actually he probably should." ("Eigentlich sollte er es wohl.") – Kam als Antwort auf die Frage, ob jemand da sei, der gerne mit Bruce sprechen würde.

Play "I'm here, I can." ("Ich bin hier, ich kann.") – Direkte Antwort auf die Frage, ob hier irgendwelche Geistwesen seien, die dieses Gerät benutzen und mit Bruce kommunizieren können.

Play "Bruce." – Dieser Name kam als prompte Antwort auf Bruce's Bitte, seinen Namen zu wiederholen.

Diese Methode der Verwendung von Phonemen bzw. Allophonen als Rohmaterial – ob nun per Software oder in Form eines Gerätes – scheint also einiges an Potenzial zu beinhalten, welches lohnt, weiter erforscht und optimiert zu werden. Vor allem bietet es den Vorteil, nicht bereits fertige Sprache als Ausgangsmaterial zu verwenden, sondern rein synthetisch erzeugte Laute, wodurch die Gefahr minimiert wird, daß Fragmente der Originalaufnahme für paranormale Stimmen gehalten werden, wie dies etwa bei der Verwendung von zufallsgewobbelten Radios leicht der Fall sein kann.

Außer Frank Sumption haben mittlerweile auch einige andere Experimentatoren Geräte entwickelt, die auf Basis des SpeakJet-Chips sprachliches Rohmaterial für TBS erzeugen können, so zum Beispiel die von Rob Fitzgerald (deadscience.com) gebaute "SpeakJet Box", die Änderungen des EM-Feldes (= elektromagnetischen Feldes) in der Umgebung des Gerätes in sprachliche Laute umwandelt (EMF-Detektoren werden von selbsternannten "Geisterjägern" gerne zum Aufspüren paranormaler Aktivitäten eingesetzt), oder der von Bill Chappell (digitaldowsing.com) hergestellte "Paranormal Puck", der verschiedene Umgebungsparameter wie Temperatur oder EM-Feld zur Ansteuerung des Sprachprozessors benutzt. Alle diese Methoden erbringen bei einigen Anwendern sehr schöne Erfolge, über die man in den einschlägigen Internet-Foren nachlesen und sich die dazugehörigen Beispiele anhören kann.

Anhang


(Erschienen in der VTF-Post P 132, Ausgabe 3/2008)