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Einspielen und Abhören von Tonbandstimmen
mit Audacity

Eine kurze Praxis-Anleitung
von S. B.

Der im deutschen Sprachgebrauch übliche Begriff "Tonbandstimmen" deutet bereits an, dass Tonbandgeräte zur Zeit der Entdeckung des Stimmenphänomens 1959 durch Friedrich Jürgenson die einzigen verfügbaren Aufnahmegeräte auf dem Unterhaltungselektronik-Markt waren und sich die Stimmen deswegen zuerst auf Tonbändern manifestiert haben. Mit Aufkommen der digitalen Aufnahmeverfahren wie DAT, MiniDisc und Computer wurden diese jedoch ebenso erfolgreich wie das altehrwürdige Tonband zum Einspielen paranormaler Botschaften eingesetzt, so dass die Bezeichnung "Tonbandstimmen" inzwischen eigentlich überholt ist.

Aufgrund seiner nahezu "unbegrenzten Möglichkeiten" (diese hängen ausschließlich von den verwendeten Programmen ab) ist der Computer für die Aufnahme, Bearbeitung und Auswertung von Tonaufnahmen eigentlich in geradezu idealer Weise geeignet. Wenn man hierzu einen tragbaren "Notebook"-Computer einsetzt, wovon es auch Mini-Ausführungen gibt (die sog. "Sub-Notebooks"), dann muss das Ganze nicht mehr Platz einnehmen als ein herkömmlicher Kassettenrecorder und ist so auch für "unterwegs" bestens geeignet. Zwar kann man einen Computer preislich nicht mit einem einfachen Kassettenrecorder vergleichen, dafür hat man aber auch gleich ein ganzes "Tonstudio" in einem einzigen Gerät.

Natürlich erfordert ein Computer auch etwas mehr an Einarbeitung. Dieser Artikel soll daher Interessierten mit Computer-Grundkenntnissen die grundlegende Vorgehensweise zur Aufnahme und anschließenden Auswertung von Tonbandstimmen-Einspielungen mit Hilfe des Computers erläutern. Die Beispiele in dieser Anleitung beziehen sich auf das Betriebssystem Windows XP, jedoch ist die Vorgehensweise für andere Betriebssystemen im Prinzip dieselbe, lediglich manche Bezeichnungen könnten geringfügig abweichen.


Anschluss externer Geräte an den PC

Damit ein Computer etwas aufnehmen kann, muss eine Audioquelle mit ihm verbunden werden - genauer gesagt, mit einem der Eingänge der Soundkarte. Hiervon gibt es meist zwei Stück: Einen Mikrofon- und einen sogenannten Line-Eingang ("Line in"). Der Mikrofon-Eingang ist meistens nur einkanalig (mono) und der Line-Eingang zweikanalig (stereo). Bei Notebooks mit nur einem Eingang sind Mikrofon- und Line-Eingang meistens in einer gemeinsamen Buchse kombiniert. Außerdem haben Notebooks normalerweise ein eingebautes Mikrofon. Neben den Eingängen gibt es noch verschiedene Ausgänge, an die Aktiv-Lautsprecher oder Kopfhörer angeschlossen werden können.

Die genannten Buchsen befinden sich bei einem Desktop-PC normalerweise auf der Rückseite des Gerätes, bei einem Notebook irgendwo seitlich. Es handelt sich in der Regel um 3,5-mm-Klinkenbuchsen. Die folgende Abbildung zeigt beispielhaft die Audio-Ein- und -Ausgänge an der Rückseite eines PCs:


Die Audio-Anschlüsse an der Rückseite des PCs


Die Audio-Anschlüsse von nahem

Die verschiedenen Ein- und Ausgänge sind normalerweise falblich gekennzeichnet, um sie auch bei schlechter Beleuchtung leichter identifizieren zu können: der Mikrofon-Eingang ist pink, der Line-Eingang blau und der Line-Ausgang grün gekennzeichnet. Daneben gibt es noch diverse andere Ausgänge für Mehrkanalton, die uns aber hier nicht zu interessieren brauchen.

Notebooks haben meistens nur maximal zwei Buchsen: Mikrofon-Eingang (ggf. kombiniert mit dem Line-Eingang) und Kopfhörer-Ausgang (der auch als Line-Ausgang verwendet werden kann):


Die Anschlüsse der Soundkarte an einem Notebook

Bei neueren Notebooks sparen sich die Hersteller vermehrt die zweite Buchse und kombinieren Mikrofon-Eingang und Kopfhörer-Ausgang in einer einzigen Buchse, an die beispielsweise ein Smartphone-Headset direkt angeschlossen werden kann. Wer getrennte Buchsen benötigt, etwa zum Anschluss eines externen Mikrofons und eines Kopfhörers, muss sich mit einem Adapterkabel behelfen, das es im Elektro- und Computerfachhandel zu kaufen gibt:


Adapterkabel für Notebooks mit einer kombinierten
Buchse für Mikrofon und Kopfhörer

Bei diesen Kombo-Buchsen entfällt dann allerdings der Stereo-Line-Eingang. Wer diesen benötigt, oder wer allgemein eine etwas bessere Soundqualität bei der Aufnahme haben möchte, muss sich mit externen Audio-Schnittstellen behelfen, die per USB-Kabel an den Rechner angeschlossen werden:


Externes USB-Audio-Interface von der einen Seite

Externes USB-Audio-Interface von der anderen Seite

Hier lassen sich dann wieder alle möglichen Signalquellen und Wiedergabegeräte anschließen.

Eine andere Möglichkeit, den Rechner mit weiteren, qualitativ besseren Audio-Ein- und -Ausgängen auszustatten, ist die Verwendung eines Mischpultes mit USB-Schnittstelle:


Das Mini-Mischpult "Behringer Xenyx 302 USB" als externes Audio-Interface

Sollen mit dem PC Einspielungen vorgenommen werden, kann man ein Mikrofon direkt in den Mikrofon-Eingang stecken. Sollte der Mikrofonstecker nicht passen, benötigen Sie einen entsprechenden Adapter, den Sie in der Elektronik-Abteilung jedes größeren Kaufhauses bekommen. Das hier beschriebene Verstärkermikrofon oder das vom VTF für Mitglieder hergestellte Hannoversche Mikrofon kann direkt angeschlossen werden.

Wenn Sie Aufnahmen, die bereits auf Kassetten vorliegen, in den PC überspielen wollen, dann benötigen Sie ein spezielles Audio-Verbindungskabel, mit dem Sie den Line-Ausgang des Kassettenrecorders mit dem Line-Eingang des Computers verbinden. Um welches Kabel es sich dabei genau handeln muss, hängt von der Art der Buchsen an Ihren Geräten ab. Einfache Kassettenrecorder wie z.B. der Panasonic RQ-2102 oder der Philips AQ 6455 haben z.B. eine 3,5-mm-Mono-Klinkenbuchse, HiFi-Tapedecks dagegen zwei Cinch-Buchsen (linker und rechter Stereo-Kanal). Diese Kabel bekommen Sie ebenfalls im Fachhandel - im Zweifelsfalle lassen Sie sich bitte dort beraten. Falls Ihr Kassettenrecorder keinen Line-Ausgang hat, nehmen Sie statt dessen den Kopfhörer-Ausgang. Stellen Sie den Lautstärkeregler dabei ungefähr auf "halbe Lautstärke" ein.


Die Software

Zum Aufnehmen benötigt man noch eine geeignete Software. Diese Anleitung bezieht sich auf die vielseitige und kostenlos erhältliche Audiobearbeitungs-Software "Audacity", die sich inzwischen als eine Art "Standard" in der Tonbandstimmenforschung etabliert hat.

Mit Audacity erhält man quasi ein komplettes "virtuelles Tonstudio" mit vielen Bearbeitungs- und Filterfunktionen. Das Aufnehmen und Wiedergeben funktioniert damit ähnlich wie bei einem Kassettenrecorder, indem man einfach auf die ähnlich aussehenden Knöpfe (Buttons) des Programms klickt. Die "Aufnahme-Taste" ist zum Beispiel die mit dem roten Punkt:


Der leere Arbeitsbereich von Audacity direkt nach dem Start

(Standardmäßig wird das Programmfenster in einer helleren Farbe angezeigt. Um auf die hier abgebildete dunkle Darstellung umzuschalten, kann man aus dem "Bearbeiten"-Menü den Punkt "Einstellungen" wählen, dann in dem daraufhin sich öffnenden Dialogfenster den Punkt "Schnittstelle" auf der linken Seite anklicken, und auf der rechten Seite unter "Theme:" den Eintrag "Dunkel" auswählen. Zum Schluss mit "OK" bestätigen.)


Aufnahme-Einstellungen

Da der Computer das Signal beim Aufnehmen digitalisiert, d.h. in Zahlen zerlegt, hängt die Aufnahmequalität sehr stark davon ab, wie oft pro Sekunde dies geschieht: Je öfter (d.h. je höher die "Sample-Rate" ist), umso besser ist zwar die Qualität, aber umso mehr Speicherplatz wird auch benötigt. Für Einspielungen sollte eine Sample-Rate von 44100 Hz und eine Auflösung von 16 Bit verwendet werden - dies entspricht "CD-Qualität". Wenn nur in Mono aufgenommen wird, fallen dabei pro Minute etwa 5 MB an Daten an, bei Stereo wäre es das Doppelte.

Die Einstellungen für die Sample-Rate und die Anzahl der Kanäle (Mono oder Stereo) lassen sich im Programm vornehmen. Die Sample-Rate wird z.B. ganz unten links eingestellt. Hier ist bereits 44100 Hz voreingestellt. Die anderen Audio-Einstellungen befinden sich im oberen Bereich des Programmfensters:


Auswahl des Aufnahmegerätes (hier das Mikrofon der ersten Soundkarte)

Hier kann zunächst ausgewählt werden, von welchem Eingang aufgenommen werden soll. Bei einer Mikrofon-Aufnahme sollte entsprechend "Mikrofon" gewählt werden. Im obigen Beispiel sind zwei Mikrofon-Eingänge zu sehen - das liegt daran, dass der Computer zwei Soundkarten enthält. Wird bei einem Notebook z.B. ein USB-Mischpult angeschlossen, erscheinen auch dessen Eingänge hier zusätzlich zu den Rechner-internen Eingängen.

Rechts neben der Auswahl für den zu verwendenden Aufnahme-Eingang kann gewählt werden, ob die Aufnahme in Mono oder in Stereo erfolgen soll. Wird nur ein einfaches Mono-Mikrofon verwendet, dann reicht natürlich eine Mono-Aufnahme. Bei den nachfolgenden Beispielen wurde eine Stereo-Aufnahme gemacht.

Rechts neben der Auswahl für Mono/Stereo schließlich kann noch eingestellt werden, über welches Gerät die Wiedergabe des aufgenommenen Tons erfolgen soll, z.B. über den internen Kopfhörer-Anschluss des Notebooks oder über ein angeschlossenes USB-Mischpult.

Oberhalb der Einstellungen für Eingang, Kanäle und Ausgang kann über zwei Schiebegegler der Aufnahmepegel und die Wiedergabelautstärke eingestellt werden. Ziehen Sie beide Regler zunächst ganz nach rechts.


Starten der Aufnahme

Um vor der Aufnahme zu kontrollieren, ob das Mikrofon ein Signal liefert, kann man in den Bereich oben rechts klicken, der mit "Klicken um Überwachung zu starten" beschriftet ist. Dadurch wird der Aufnahmepegel in Form eines grünen Balkens angezeigt, im sich im Takt des aufzunehmenden Signals hin- und herbewegt und dabei umso weiter nach rechts "ausschlägt", je stärker das Signal ist. Dieser grüne Balken sollte jetzt z.B. auf Geräusche reagieren, die ins Mikrofon gesprochen werden. Falls das nicht so ist, überprüfen Sie Folgendes:

  • Ist das Mikrofon am richtigen Eingang eingesteckt?
  • Ist der Schalter und/oder Regler am Mikrofon eingeschaltet bzw. aufgedreht?
  • Falls ein Mischpult verwendet wird: Sind alle Regler (Gain, Mic-Level, Main mix) hochgedreht?
  • Wurde in Audacity der richtige Eingang ausgewählt?
  • Ist in Audacity der Aufnahmepegel (linker Schieberegler neben dem Mikrofon-Symbol) hoch genug eingestellt?

Ist das Signal zu leise, dann drehen Sie den Regler am Mikrofon oder am Mischpult etwas weiter auf, bis der zuckende Balken bis kurz vor das Ende der Skala reicht. Falls kein Mischpult verwendet wird und/oder das Mikrofon keinen Regler hat, schieben Sie den Knopf des Schiebereglers im oberen Bereich des Audacity-Programmfensters (rechts neben dem Mikrofon-Symbol) weiter nach rechts.

Zu hoch darf der Aufnahmepegel allerdings auch nicht sein, denn dann wird die Aufnahme übersteuert und es gibt Verzerrungen. Das erkennt man daran, dass der Balken ganz ans rechte Ende der Skala "anstößt" und sich dort rot verfärbt. Drehen Sie in diesem Fall den Regler am Mikrofon oder am Mischpult (oder falls nicht vorhanden, den Mikrofon-Schieberegler in Audacity) wieder etwas zurück. Wenn der Balken bis maximal -3dB geht, ist die Aufnahme optimal ausgesteuert.

Ist alles in Ordnung, kann die Aufnahme dirch Klicken auf den Aufnahme-Button gestartet werden:


Durch Klicken auf den Button mit dem roten Kreis wird die Aufnahme gestartet

Während die Aufnahme läuft, wird die aufgezeichnete Amplitude in Form von Wellen dargestellt, die sich von rechts nach links bewegen. So hat man schon während der Aufnahme eine visuelle Kontrolle des Amplitudenverlaufs innerhalb der letzten 10 zurückliegenden Sekunden.

Klicken Sie am Ende der Aufnahme auf die "Stop-Taste" (das ist der Button mit dem Quadrat).


Abspeichern der Aufnahme

Nach Beendigung der Aufnahme sollte diese unbedingt sofort abgespeichert werden. Tun Sie dies ruhig auch mal öfters zwischendurch, während Sie Ihre Aufnahme auswerten, denn nichts wäre doch ärgerlicher, als eine mühevoll abgehörte Aufnahme zu verlieren.

Aufnahmen sind in Audacity Teil eines "Projektes". Um also die Aufnahme zu speichern, wählen Sie aus dem Menü "Datei" den Eintrag "Projekt speichern":


Aufruf der Funktion "Projekt speichern" aus dem Menü "Datei"

Es erscheint daraufhin eine Warnmeldung, die ignoriert werden kann:


Diese Warnung kann ignoriert werden - einfach OK klicken

In dem nun erscheinenden Dialogfenster haben Sie die Möglichkeit, einen Speicherort (Ordner) und einen Namen für das Projekt anzugeben:


Auswahl des Speicherortes und des Dateinamens für das Projekt

Es empfiehlt sich, für Einspielungen einen eigenen Ordner auf der Festplatte anzulegen. Als Dateiname sollte eine möglichst vielsagende Bezeichnung gewählt werden, damit man auch nach Jahren noch weiß, wann und zu welchem Anlass die Einspielung gemacht wurde. Sinnvoll wäre hier z.B. eine Kombination aus Datum, Uhrzeit und einer kurzen Beschreibung. Im obigen Beispiel wurde das Datum 13.05.2018 "umgekehrt" geschrieben, also zuerst das Jahr, dann der Monat, dann der Tag. Das hat den Sinn, dass der Computer die einzelnen Dateien später chronologisch sortiert auflisten kann.

Durch Klicken auf "Speichern" wird das Projekt dann im gewählten Ordner unter dem angegebenen Namen gespeichert. Um später während des Abhörens zwischendurch mal zu speichern, genügt die Tastenkombination Strg+S, d.h. Strg-Taste gedrückt halten und S drücken. Diese Methode des schnellen Zwischenspeicherns gilt nicht nur für Audacity, sondern praktisch in allen Programmen. (Wer schon einmal eine wertvolle Datei durch eine Fehlfunktion oder eine Fehlbedienung verloren hat, entwickelt sehr schnell einen "Strg+S"-Automatismus"...)

Um eine gespeicherte Aufnahme später wieder zu laden, muss das Projekt wieder in Audacity geöffnet werden. Liegt diese Aufnahme nicht allzulange zurück, dann ist ihr Name vielleicht noch im Menü "Datei" unter dem Punkt "Zuletzt geöffnete Dateien" aufgelistet:


Erneutes Öffnen eines der zuletzt geöffneten Projekte

Durch Anklicken dieses Namens wird das zur Aufnahme gehörende Projekt geladen und kann weiter bearbeitet oder wiedergegeben werden. Ist die Aufnahme schon zu alt und wird daher nicht mehr unter "Zuletzt geöffnete Dateien" aufgeführt, dann kann der darüber befindliche Menüpunkt "Öffnen" aufgerufen werden. Es erscheint daraufhin ein Dialogfenster zur Auswahl des Speicherortes und des Namens des gespeicherten Projektes:


Auswahl des zu öffnenden Projektes


Das Abhören

Um zum Beginn einer soeben durchgeführten Aufnahme zu springen, drücken Sie die Taste "Pos 1" auf Ihrer Tastatur. Wurde die Aufnahme zuvor geladen, befindet sich die aktuelle Wiedergabeposition bereits am Anfang der Aufnahme.

Durch Klick auf den "Start"-Button (grüner Pfeil) und den "Stop"-Button (Quadrat) wird die Wiedergabe gestartet bzw. beendet. Schneller geht dies durch Betätigen der Leertaste auf Ihrer Tastatur: Ein Druck auf die Leertaste startet die Wiedergabe, ein weiterer Druck stoppt sie. Die Wiedergabe startet immer an der Stelle, an der sich der Cursor (die senkrechte Linie im Wellenfenster) gerade befindet. So können sehr bequem einzelne Stellen wiederholt werden.

Um die Wiedergabeposition an eine andere Position innerhalb der Aufnahme zu setzen, klicken Sie einfach in die Wellenform hinein. Durch Klicken, Gedrückthalten der Maustaste, "Ziehen" und Loslassen können Sie einen Bereich innerhalb der Aufnahme auswählen - erkennbar daran, dass er farblich hervorgehoben erscheint:


Auswahl eines Teils der Aufnahme

Wenn Sie nun die Wiedergabe starten, wird nur dieser markierte Ausschnitt wiedergegeben. Wenn Sie während des Drückens der Leertaste zum Starten der Wiedergabe die Umschalt-Taste gedrückt halten, dann wird der markierte Ausschnitt in einer "Endlosschleife" so oft wiederholt, bis Sie die Leertaste erneut drücken oder den "Stop"-Button anklicken. Um die linke oder rechte Begrenzung eines markierten Bereiches zu verschieben, ziehen Sie diesen einfach mit der Maus in die gewünschte Richtung. Um die Markierung aufzuheben, klicken Sie einmal mit der linken Maustaste in das Wellenfenster hinein.

Um eine Stelle rückwärts abzuhören, klicken Sie in die Zeile oberhalb des Wellenfensters, bis dort zwei kleine grüne Pfeile erscheinen und der Hinweistext "Zum Schrubben klicken und bewegen". Wenn Sie nun die Maus schnell nach links bewegen, wird die Stelle rückwärts abgespielt, eine schnelle Bewegung nach rechts spielt die Stelle vorwärts ab. Dies können Sie nun so oft wiederholen wie Sie möchten. Durch Drücken der Esc-Taste wird dieser sogenannte "Schrubb"-Modus wieder beendet. Um die gesamte Aufnahme umzudrehen und rückwärts abzuhören, markieren Sie alles (Strg+A drücken) und wählen aus dem Menü "Effekt" die Funktion "Rückwärts".

Für genaues Abhören kann es sinnvoll sein, näher in die Wellenform "hineinzuzoomen". Halten Sie dazu die Strg-Taste auf Ihrer Tastatur gedrückt, während Sie das Scrollrad Ihrer Maus drehen. Nach oben drehen zoomt hinein, nach unten drehen hinaus. Der Mauszeiger dient dabei als "Zentrum" für den Punkt, zu dem hingezoomt werden soll. Falls Sie keine Maus mit Scrollrad haben, können Sie zum Zoomen auch die Buttons oberhalb des Wellenfensters benutzen, auf denen das Symbol einer Lupe abgebildet ist: Die Lupe mit dem Plus-Symbol zoomt hinein, die Lupe mit dem Minus-Symbol zoomt heraus, der nächste Lupen-Button vergrößert eine Auswahl auf Fensterbreite, der nächste stellt die gesamte Aufnahme im Wellenfenster dar. Spielen Sie einfach mal ein wenig damit herum, um ein Gefühl für diese Funktionen zu bekommen! Wenn Sie die Wellenform "herangezoomt" haben, können Sie sich innerhalb der Aufnahme vor- und zurückbewegen, indem Sie den horizontalen Scrollbalken am unteren Rand des Programmfensters von Audacity mit der Maus seitlich verschieben.


Anpassen der Wiedergabe-Lautstärke

Falls die Aufnahme sehr leise geworden ist, kann die Lautstärke auch noch nachträglich erhöht werden. Besser ist es jedoch, schon bei der Aufnahme auf eine optimale Aussteuerung zu achten, da nachträgliche Lautstärkeänderungen eine schlechtere Tonqualität (Signal/Rausch-Verhältnis) aufweisen als wenn die Aufnahme bereits von vorn herein richtig ausgesteuert worden wäre.

Zur nachträglichen Anpassung der Lautstärke auf das optimale Niveau eignet sich die Funktion "Normalisieren". Bevor diese Funktion angewendet werden kann, muss zuerst einmal die gesamte Wellenform ausgewählt werden. Hierzu einfach Strg+A drücken. Anschließend die Funktion "Normalisieren" im Menü "Effekt" aufrufen:


Aufruf der Funktion "Normalisieren" aus dem Menü "Effekt"

In dem daraufhin erscheinenden Dialogfenster auf "OK" klicken:


Das Dialogfenster "Normalisieren"

Das Ergebnis des Normalisierens der Amplitude im Vergleich:


Die Wellenform vor ...


... und nach dem Normalisieren

Bei großen Lautstärkeunterschieden innerhalb der Aufnahme, z.B. wenn kein oder nur ein sehr leises akustisches Rohmaterial für die Einspielung verwendet wurde, während die Anwesenden laut Fragen gestellt haben, kann es sinnvoll sein, diese leisen Stellen gegenüber den lauten anzuheben. Hierzu eignet sich die Funktion "Kompressor". Hierbei handelt es sich um so eine Art "automatische Aussteuerungsregelung", die bereits bei billigen analogen Kassettenrecordern zu finden war. Die Funktion ist im Menü "Effekt" zu finden:


Aufruf der Funktion "Kompressor" aus dem Menü "Effekt"

Im dazugehörigen Dialogfenster können die Parameter für diese Funktion eingestellt werden:


Das Dialogfenster "Kompressor"

Speziell für Tonbandstimmen-Einspielungen haben sich die oben gezeigten Werte als brauchbar erwiesen:

  • Der Regler "Grenzwert" richtet sich nach dem Pegel des Hintergrundgeräusches, d.h. wenn auf der Aufnahme niemand spricht. Bei leiserem Hintergrund sollte er weiter links stehen.
  • Der Regler "Grundrauschen" sollte ganz nach links gezogen werden. So werden auch ganz leise Signale hochverstärkt (dort könnten sich Stimmen verstecken!)
  • Der Regler "Verhältnis" sollte ganz rechts auf "10:1" stehen. Dadurch ergibt sich eine sehr starke Komprimierung, d.h. alles was über dem Grenzwert von hier -36 dB liegt, wird hart begrenzt.
  • Die Regler "Ansprechzeit" und "Abklingzeit" sollten ganz nach links gezogen werden, damit die Absenkung lauter Geräusche bereits nach kurzer Zeit erfolgt und nach Ende des lauten Geräusches die leisen Geräusche möglichst schnell wieder hochgeregelt werden. Leider ist die kleinste einstellbare Abklingzeit mit 1 Sekunde noch sehr lang, wodurch das leise Hintergrundgeräusch erst 1 Sekunde nach Lautstärkespitzen wieder voll da ist. (Bei Adobe Audition lässt sich hier ein kleinster Wert von 40 Millisekunden eingeben, wodurch die leisen Stellen praktisch "sofort" wieder ihre volle Lautstärke wiedererlangen.)
  • Das Häkchen bei "Anhebung auf 0 dB nach dem Komprimieren" sollte gesetzt sein, damit das komprimierte Signal (das ja nach der Komprimierung leiser ist) wieder laut zu hören ist.
  • Das Häkchen bei "Kurze Spitzen berücksichtigen" sollte ebenfalls gesetzt sein, damit auch kurze Geräusche nicht das Trommelfell zum Platzen bringen...

Das Ergebnis der Komprimierung mit anschließender Angebung der Amplitude im Vergleich:


Die Wellenform vor ...


... und nach dem Komprimieren

Wie man hier besonders eindrucksvoll sieht (und auch hört!), ist der leise Abschnitt zwischen den beiden lauten Fragen extrem verstärkt worden, während die lauten Stellen nur ein wenig lauter wurden. Insgesamt ist das Lautstärkeniveau der gesamten Aufnahme nun relativ gleichmäßig. Ebenso erkennt man aber auch den langsamen Anstieg der Lautstärke des leisen Hintergrundgeräusches nach der ersten Frage, was in der langen Abklingzeit des Kompressors (1 Sekunde) begründet liegt.


Entfernen von Störgeräuschen

Falls auf der Aufnahme gleichmäßige Störgeräusche wie Brummen, Prasseln, Pfeifen oder Rauschen enthalten sind, die die eigentliche Stimme überdecken, kann versucht werden, diese zu reduzieren und die Stimme dadurch besser hervorzuheben. Hierzu wählt man zunächst mit der Maus einen Abschnitt innerhalb der Aufnahme aus, in dem ausschließlich das Störgeräusch und kein Teil der Stimme enthalten ist. Dann ruft man Funktion "Rausch-Verminderung" im Menü "Effekt" auf:


Aufruf der Funktion "Rausch-Verminderung" aus dem Menü "Effekt".
Zuvor wurde ein Teil des Störgeräusches im Wellenfenster ausgewählt.

In dem daraufhin erscheinenden Dialogfenster "Rausch-Verminderung" klickt man dann unter "Schritt 1" auf den Button "Rauschprofil ermitteln". Das Dialogfenster schließt sich danach automatisch wieder. Nun wählt man mit der Maus den zu filternden Abschnitt aus (oder drückt die Tastenkombination Strg+A, um die gesamte Aufnahme auszuwählen) und ruft die Funktion "Rausch-Verminderung" aus dem Menü "Effekt" erneut auf. Das Dialogfenster "Rausch-Verminderung" erscheint erneut:


Das Dialogfenster "Rausch-Verminderung"

Unter "Schritt 2" kann man nun den Schieberegler "Rausch-Verminderung (db)" nach rechts verschieben und testweise auf den Button "Vorhören" klicken, um sich das Ergebnis der Rauschreduzierung vorab anzuhören. Je weiter rechts dieser Regler steht, umso stärker ist die Filterwirkung. Zu stark sollte allerdings nicht gefiltert werden, da hierbei auch das Nutzsignal (die eigentliche Stimme) beeinträchtigt wird. Hier gilt es, einen guten Kompromiss zu finden zwischen Rauschreduzierung und dem Erhalt der Stimme.

Falls die Aufnahme oder der gefilterte Abschnitt nach Anwendung der Funktion "Rausch-Verminderung" zu leise ist, kann sie mit den oben beschriebenen Funktionen "Normalisieren" oder "Kompressor" wieder lauter gemacht werden.

Zur Demonstration hier einmal eine Stimme, die mit Diodenrauschen aufgenommen wurde:

Ungefiltertes Original – hier wurde bereits während der Aufnahme der Name "Raudive" gehört (bei Sekunde 7):

[Download]

Gefilterte Version – die Aussage könnte lauten: "Hörst du mich? - Wir leben! - Fantasto! - Raudive - und - Brasil."

[Download]


Änderungen rückgängig machen

Wenn Sie mit dem Ergebnis einer Bearbeitung (egal, ob Lautstärke-Änderung, Rausch-Verminderung oder was auch immer) nicht zufrieden sind, können Sie die Änderung übrigens jederzeit mit der Tastenkombination Strg-Z oder durch Klick auf den Button mit den geschwungenen Pfeil nach links rückgängig machen. Und um eine rückgängig gemachte Änderung wiederherzustellen, drücken Sie Strg+Y oder klicken auf den geschwungenen Pfeil nach rechts:


Die beiden Buttons zum Rückgängig machen und
Wiederherstellen von Bearbeitungsschritten
(gelb eingekreist)

Diese Funktionen lässt sich auch gut dazu verwenden, sich den Vorher/Nachher-Vergleich eines Bearbeitungsschrittes anzuhören.


Protokollieren der gehörten Stimmen

Sie können den Wortlaut der einzelnen Stimmen direkt über die Tastatur des Computers eingeben und sich so die früher bei Einspielungen übliche "Zettelwirtschaft" ersparen. Audacity ermöglicht es nämlich, parallel zur Tonspur auch eine "Textspur" anzulegen, auf der sich schriftliche Kommentare zu einzelnen Abschnitten innerhalb der Aufnahme hinterlegen lassen.

Um eine solche Textspur zu erstellen, wählt man im Menü "Spuren" das Untermenü "Neu hinzufügen", und dort den Eintrag "Textspur":


Hinzufügen einer neuen Textspur

Daraufhin erscheint unterhalb des Wellenfensters die neue Textspur:


Textspur: Eingabe eines neuen Kommentars zum ausgewählten Ausschnitt

Um einen neuen Text (z.B. den Wortlaut einer Frage oder einer Stimme) zu einem im Wellenfenster ausgewählten Ausschnitt hinzuzufügen, kann man aus dem Menü "Bearbeiten" und dem Untermenü "Textmarken" den Eintrag "Textmarke bei Auswahl hinzufügen" wählen - oder ganz einfach Strg+B drücken. In der Textspur erscheint daraufhin ein weiß hinterlegtes Eingabefeld zur Eingabe des Textes (siehe Bild oben). Ein Klick woandershin oder ein Druck auf die Return- oder die Esc-Taste beenden den Eingabemodus wieder. Um eine solche Textmarke später noch einmal zu bearbeiten, braucht man den Text einfach nur anzuklicken.


Aufnahme als Audiodatei abspeichern

Möchte man die Aufnahme als Audiodatei (z.B. als MP3-Datei) abspeichern, um sie in einem anderen Player abzuspielen, um sie auf eine Webseite hochzuladen oder um sie anderen Personen per E-Mail zu schicken, dann muss diese in Audition "exportiert" werden. Hierzu wählt man aus dem Menü "Datei" und dessen Untermenü "Exportieren" den Punkt "Als MP3 exportieren" (oder einen der weiteren 3 Punkte, um sie in einem anderen Dateiformat zu exportieren):


Exportieren der gesamten Aufnahme als MP3-Datei

Es erscheint daraufhin ein Dialogfenster zur Eingabe des Speicherortes, eines Dateinamens sowie weiterer Parameter, die je nach gewähltem Dateityp (MP3, WAW, OGG, etc.) unterschiedlich sein können:


Das Dialogfenster "Audio exportieren"

Als Dateiname für die zu speichernde MP3-Datei wird der Name des Projektes vorgeschlagen, der so übernommen werden oder auch abgeändert werden kann.

Beim Export als MP3-Datei erscheint nach Klicken auf "Speichern" das folgende Dialogfenster zur optionalen Eingabe einiger beschreibender Informationen zur MP3-Datei:


Das Dialogfenster "Tag-Metadaten bearbeiten"

Hier muss nichts eingegeben werden; ein Klick auf "OK" speichert die MP3-Datei.


Einzelnes Stimmenbeispiel als Audiodatei abspeichern

Möchte man statt der gesamten Aufnahme nur ein einzelnes Stimmenbeispiel als MP3-Datei speichern, dann markiert man die Stelle innerhalb der Aufnahme, an der sich die Stimme befindet, mit der Maus und wählt dann aus dem Datei-Menü und dessen Untermenü "Exportieren" die Funktion "Ausgewähltes Audio exportieren":


Exportieren des ausgewählten Ausschnittes als MP3-Datei

Auch hier erscheint wieder das Dialogfenster zur Eingabe des Speicherortes, eines Dateinamens und der weiteren Parameter.


Das Dialogfenster "Ausgewähltes Audio exportieren"

Als Dateiname kann hier z.B. der Wortlaut der Stimme angegeben werden, so dass man später im Dateiexplorer gleich sieht, um welches Stimmenbeispiel es sich handelt.


Sämtliche Stimmenbeispiele als Audiodatei abspeichern

Hat man alle Stimmen in der Aufnahme mittels Textmarken in der Textspur benannt, kann man diese auch "auf einen Rutsch" als einzelne MP3-Dateien abspeichern. Dazu wählt man im Menü "Datei", Untermenü "Exportieren", die Funktion "Mehrere exportieren":


Exportieren aller in der Textspur enthaltenen Ausschnitte als MP3-Datei

In dem daraufhin erscheinenden Dialogfenster kann man unter "Ordner" u.a. den Speicherort für die MP3-Dateien eingeben:


Das Dialogfenster "Mehrere exportieren"

Nach Klick auf "Exportieren" werden die den einzelnen Textmarken entsprechenden Abschnitte aus der Aufnahme als MP3-Dateien abgespeichert. Als Dateiname wird hierbei der eingegebene Text der jeweiligen Textmarke verwendet. Falls diese "ungültige" Zeichen enthält (d.h. Zeichen, die vom Betriebssystem nicht als Bestandteil von Dateinamen erlaubt sind - dazu gehören u.a. der Doppelpunkt oder das Fragezeichen), erscheint ein Dialogfenster zur Eingabe eines alternatüven Dateinamens:


Das Dialogfenster "Speichern unter" zur Eingabe eines Dateinamens

In einem weiteren Fenster können einige beschreibende Informationen zur MP3-Datei eingegeben werden (oder auch nicht):


Das Dialogfenster "Tag-Metadaten bearbeiten"

Nach Klick auf "OK" wird die MP3-Datei dann gespeichert. Nachdem alle MP3-Dateien gespeichert wurden, wird noch eine Liste angezeigt, die die Pfade aller gespeicherten Dateien in einer Übersicht anzeigt:


Anzeige der gespeicherten MP3-Dateien

Hinweis: Wenn man Fragen und Stimmen in einer gemeinsamen Textspur erfasst, werden diese durch die Funktion "Mehrere speichern" natürlich auch alle als MP3-Dateien abgespeichert. Möchte man nur die Stimmen, nicht aber die Fragen und Kommentare der Einspielungs-Teilnehmer speichern, dann kann man auch zwei Textspuren anlegen: Eine für die Fragen und eine weitere nur für die Stimmen. Beim Export werden dann nur die Textmarken der obersten Spur berücksichtigt. Verschiebt man also die Textspur mit den Stimmen durch Ziehen mit der Maus im linken Teil der Spur nach oben über die andere Textspur, dann werden nur die markierten Stimmen als MP3-Dateien gespeichert.


(Erstellt: 13.05.2018)